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UMWANDLUNGEN DER KUNST
Diese Verirrungen ohne Zweifel sind es, welche die damals in Gefüh-len und Gesinnung dem Französischen Kaiserreiche so widerstrebendenDeutschen aufgefordert hat, andere geistige Tiefen anzuschürfen. Der Durstnach Wahrheit, Natürlichkeit und Einfalt war so grofs, dafs man in demEifer, sich dieser Eigenschaften wieder zu bemächtigen, zuweilen die Schön-heit des Zeitalters, welches man zum Vorbild erwählte, übersah, und da-für dessen auffallendste Mängel ergriff. Man wollte sich vom achtzehn-ten Jahrhundert entfernen und auf das schönste Zeitalter der Malerei zu-
Verzweiflang so wahrhaft erscheint, ist man geneigt, sich über die mehr als theatralischenÜbertreibungen zu verblenden, womit der Künstler den Tatius, die Hersilia, und vor allenden Romulus ausgestattet hat. Diese beiden Männer sind Akademien in antiken Stellungen:dagegen die Frau mit aufgelösten Haaren, welche in der Hauptgruppe der Kinder vorragt;jene andere, die mit Entsetzen ihre beiden Hände gegen "die Stirn erhebt; eine dritte, wel-che die Knie des Tatius umfafst; und vor allen jene im Hintergründe, die ein Gemäuer er-klimmt und in blinder Verzweiflung ihr Kind den Spiefsen der Krieger entgegenzuhaltenscheint; endlich der alte Krieger zu Pferde, der sein Schwert in die Scheide steckt, — sindganz im Rafaelischen Style. Man wähnt sich in den Vatikan in die Stanzen Rafaels ver-setzt, welche ewig ein Vorbild von Grofsheit, Adel und Wahrheit bleiben werden. Es istnicht die Anspannung der Revolution, der David hier seine Eingebungen verdankt: er ver-dankt sie dem Bethlehemitischen Kindermorde Guido's, dem Burgbrande Rafaels, dem Dome-niebino. Wenn David, anstatt den Altären des Heidenthums und der Revolution Weihrauchanzuzünden, seine Seele zur Begeisterung des Christenthums erhoben hätte, wenn es diesemHerzen möglich gewesen wäre, die Liebe, die Frömmigkeit und die Beseligung der Religionzu erkennen, er hätte ohne Zweifel den Gipfel der Kunst erreicht.
Manche andere Gemälde der Französischen Schule derselben Zeit verdienen auch den befs-ten Erzeugnissen der Malerei beigezählt zu werden. Ich will nur einige anführen, welchemir im lebhaftesten Andenken geblieben sind: Atala von Girodet; Marcus Sextus von PeterGucrin; Belisar von Gerard; Zephyre von Prud'hon. Es ist mir vorgekommen, als wenn dieMalerei in Frankreich seit zehn Jahren eine andere Richtung eingeschlagen und einen neuenAnlauf genommen habe. Unter den Geschichtsmalern erinnert man sich alsbald der NamenSclmetz, Hersent, Ingres, Delaroche und Scheffer; nicht minder berühmt sind die Namen Leo-pold Robert, Vernet und Gudin; und noch andere haben grofsen Ruhm erlangt. Ich kennevornämlich die Werke von Schnetz, Vernet und Robert; und meine Bewunderung ihres Ta-lentes kann durch die Theilnahme nicht geschwächt werden, welche die Deutschen Künstlermir einflöfsen.