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Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischer Herold, Oder Zuverläßige Beschreibung Derer Europäisch-Christlichen Käyserthums, Königreiche, freyer Staaten und Fürstenthümer; Nach ihren Natürlich- und Politischem Zustande, Kriegs- und Friedens- Religions- und weltlichen Verfaßungen : Biß auf dieses 1705 Heil-Jahr
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523
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von dcm freyen Staate zu Venedig.

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die langweiligkeit ihrer ^ellkeralioven ge-halten worden. .Dieses denen Republikenzwar ingemein anhangende gebrechen soll beydiesemStaat gar zu groß seyn/daß es auch schie-ne/die klugheit des8enars hatte sich schlafen ge-legt. Man will zum beyspiel anführen / es seyder Staat vor ansang des Türcken - kriegs aufCandia/vor denen grossen kriegs - pl-Tpsraro-rien der Pforte sich wohl vorzusehen/ offt undgantztreuhertzig gewarnet worden/ man habeaber auf nichts weniger als auf gegenrüstunggedacht. Ferner hätten sie sich von einem un-treuen Muselmann damit blenden lassen / diearmatur Ware auf Maltha angesehen; diesemwäre mehr geglaubet worden/als des Staatseigenem Ambassadeur zu Constantinopel undaller Potentzen Verwarnung. In solcherblindheit und darauf folgender furcht / ob möch-ten sie die Pforte/ durch öffentliche bezeugungihres argwohns/zum krieg veranlassen/ hättensie die sesiung 8t. T^eo^oro und Lansa, desglei-chen kerimo und die gantze landschafft daherumwegnehmen lassen / also daß allein die haupt-siadt Csncjia, benebens wenigen schantzen undfesten Häusern/übrig geblieben/ und hätte derkrocurswre (Ziouznni?elzro, Nachmahls Do-ge/es nicht durch fürtrefftiche ranoncs gehin-dert/ würde man gantz cancks bald anfangs oh-ne schwerdtschlag denen Türcken hingelassenhaben. Man hat ferner bey diesem i^sienkrieg angemercket/ daß/ da der Herren Vene-tianer nsrurel! sonst abergläubisch und furcht-sam ist/sie zu der zeit/da sie es seyn sollen / derglei-chen nicht geweseü sind.

Durch den fehler der irrelolueion hätten sieauch das Römgreich Cppern und serner diesüssesten lande oderlerrs kerma im vorigen 8s-culo Verlohren.

Vor die dritte Ursache der 6ec-,6entz diesesStaats / ist die eingerissene Unordnung beyden stires gehalten worden. Denn weil der8eli3t oder ?reZs6i in vielen köpffen bestehet/und die bösen rathschläge/ wenn sie nur wohlcviar-ret wükden/ offt bessern beyfall als dieheilsame vom erlangten/theils weil die execu.rion der guten gedancken zu schwer/ oder dieNobüi nicht allemahl alles penerrirten/und da-her die an sich selbst hauptschädlichen conlNiamecZis bey allen verdrießlichen und gefährlichenfällen beliebet/ und die vom mehr gezählet alsgewogen würden/ so hätte der Staat, offt sehrvorgeeilet und angestoßen.

So wird auch die allzugrosse menage ih-res reichthums dem Staat vor übel gehalten.Denn indem man aus kargheit nicht eine stetearmee von fremden Nationen auss den dei-nen halten wolte/ welches doch wohl und ohneruin der unterthanen geschehen könte/ so wür-den sie allezeit unbereitet und aus dem standder schleunigen gegenwehr angefallen. Wel-ches auch nach dem Candianischen Türcken-krieg dem Staat hätte begegnen können.Denn man danckte so bald nach dem friedenalle trouppen^ab; da sie aber iip jähr hernachwegen der gräntz-scheidung in Dalmatien neuegefahr eines Türcken-kriegs und den ba?ar6,in dieser Provintz alles zu verliehren/ eher vorsich sahen / als sie 2000 mann dahin hattenzum succurs schicken können ; fühleten sie denDritte Haupt- Handlang.

mangelerst/ und wurden genöthiget/ die frie-dens-conlervarion mit hinlassung der stadtScardona/ und spendirung lioOo ^ecckinenVörden Sultan / und einer grossen qvantitätreicher stoffen vor ihn und d,e Sulmninnenzu erkauffen. So haben auch einige l'oimciangemercket/ daß ihr geig und neid gegen ih-re comj,aZnvli§ von der Portugiesischen Nati-on/ die sie nicht länger neben sich ins Persischemeer handeln lassen wollen/ verursachet/ daßsie das commercium dahin gar ruiniret. Fer-ner hält man auch vor eine mit-ursache ihresabnehmens die böse eäucarion der fügend mdiesem Staue; als welcher alle sünde undlaster zugelassen werden/ und wohl eher der Va-ter den söhn/ und dieser jenen ins Lordello füh-ren sollen. Die übrigen eNarsHerezdes wohl-und übelstandes der Vcnetianer sind aus demobigen berichte von ihrer natürlichen beschaf-fenheit und maximen anhero zu wiederholen/und darbey zu erwegen/ daß kein Staat undGouverno in der welt ohne mängel/und voll-kommen siy; auch so lange als menschen aufferden leben werden/ es an fehlem und lästernnirgend mangeln dörffte.

Das wapen der L? U 8 l L ist im DaSwapeaHimmel-blauen felde ein geflügelter goldgel-^^"^'-ber löwe sitzend/ oder vielmehr Herauffsteigend/und daher nur am fördertheile sichtbar/ (naü-lanr) unter seiner lincken psrte ein offen silbernbuch haltend/ und sich gleichsam ersehend/auchzeigeter beyde äugen wider die orcknaire stel-lung der löwen. In dem buch findet manfolgende schrisst: l'sx tibi lit I^larcemeuz: Denn diese stadt hat diesen Heiligenzum patrou. Wiewohl dieses wapen nurin sriedens-zeiten also geführet wird: Venn zurzeit des kriegs geben sie das buch ver-schloffen/ und richten den löwen zum ständeauff/ geben ihme ein schwerd in die patte/ undbrauchen zur clevile : 8ub umbra alarum rusrum.

Auffdas schild pflegt man die Königliche Cronezu setzen / weil der Staat Königen gleich tracti-ret wnd/oder aber zum vorbehält der prstenbot,auffdas Königreich Cypern. Es wird berichtet/wie einsten einKayftrlicher Gesandter den Do-ge gefraget/in welchem lande es doch geflü-gelte löwen gebe? Darauff habe der Doge

in einer gegen-raillerie geantwortet:Alda/ wo

die adler zw'eyköpfftg waren. Das voll-kommene wapen aber ist folgender maßen be-schaffen : Es theilet sich dasselbe durch dreyperpenäiculsr und eben so viel qver-linien mi6felder/über welche noch fünff andere kleineschilde ins creutz gestellet werden. Unter die-sen letztern ist das erste/ so in der mitten desgantzen wapens lieget/das eigentliche Vene-tianische und vorbeschriebene schild mit demgeflügelten löwen. Das zweyte und über die-ses erhöhete ist das Cyprische/ das dritte außfder rechten Hand das Candianische/das vierd-te auffder lincken wegen Dalmatien/Scla-vonien und Albanien/ das fünffte zu unterstaber wegen Jstrien. Von den i6 feldern desgantzen wapens bedeutet der adler das f^ul»das creutz Padua/das creutz mit den sternendie klaresI'revlkaa, dascreutz mit den vogel-köpffen LeUunc», das folgende güldene creutzVerona / der löwe Brescia/ das silberne creutzUuu 2 Vicsn.