Druckschrift 
Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischer Herold, Oder Zuverläßige Beschreibung Derer Europäisch-Christlichen Käyserthums, Königreiche, freyer Staaten und Fürstenthümer; Nach ihren Natürlich- und Politischem Zustande, Kriegs- und Friedens- Religions- und weltlichen Verfaßungen : Biß auf dieses 1705 Heil-Jahr
Entstehung
Seite
142
Einzelbild herunterladen
 

142.

Des Europäischen Herolds zweyte Haupt - Handlung

Ii Was die Crone Zranckreich anlanget/so seynd deroselben ansprüche allbereits unterdem Haupt-theile von dem Königreich Franck-reich angeführet worden.

in Gründet sich der Pabstl. stuhl darauf/daß Pabst «Zregorius Vii Spanien / ohne con-traälälion anderer Potentaten/ ein Patrimonium?erri genennet. Absonderlich aber sty Arra-gonien ein Päbstliches lehn/ indem kamirus 1vom Pabst zum ersten Könige in Arragoniengesetzet/und ein Va5ali der kirchen genennet wor-den/zudem habeK .perrus II Pabst lnnocentioIII A. I2O4 ein gewisses geld zur jahrlichen re-coßmrion versprochen / undK .kerruz III habegar die Huldigung nebst dem lehn-eyd abgele-get. Weil nun Franckreich renunc -ret / derKäyser aber nichtvon der linie sty/so falle diesesKönigreich an den lehns - Herrn zurücke. MitSardinien habe es gleichmäßige bewandniß/dessen Könige vormahls von denPäbsten inve-lliret worden/und wegen Neapolis feye diesesausser streit.

iv Nach aller / auch der Frantzosen selbst/meynung / war des Chur - Bayerischen Erb-Printzens solepki perdinandi anspruch am be-sten tuncliret/indeni seine frau mutter /w-l0Nl3vonderKäyserin^ial'Z3rerk2il»erelIgiKö-nig Philipps IV tochter/gebohren worden. Soweit nun die Königreiche und lande aufdiel«-bannsm, perdinsndi Lackolicierb-tochter/salleNkönnen/ und wo bey der lehns-qualität etlicherlandschafften die frauliche erbfolge palbret / soweit wäre auch dieser Printz zum erb-nachfolgergeschickt gewesen/ und möchten ihme die Spani-schen Niederlande vor allen comperenren seyngelasten worden. Der in dem lösten jähreingebrochene frühzeitige tod hat diese Hoffnunghinweg gerissen / und ist der verhoffte kuccellorehe als der König/über dessen luccellwn gestrit-ten wird/versallen.

v Die Spanische Nation / und bevorabder Hof/ haben vor des letztern Königs abster-ben von einer testamentlichen Verordnung Hoff-nung gemacht/ und sich sowohl die Ocsterrei-chische als Bourbonische höchste parthie aufallerhand artbey Hofe deskavors der erbschafftdurch diesen weg zu prXvsliren getrachtet.Denn es ist nicht zu leugnen / daß K. FerdinandA. isvch sich selbst auf der Jsabellen testamentbezogen / und mit hülste der Nation von dererb-tochter der Jnfantin Johannen und ihremgemahl die regierung zu behaupten / mit Nach-druck beflissen gewesen. Wie denn auchausserhalb einer testamentlichen Verordnungdie Grandes und Stände in den Spanischenund incorporirten/ auch andern Königreichen/die ihre Verfassung und freyheiten noch unver-letzt erhalten / berechtiget zu seyn vermeynen/auf den ledigen fall einen Regenten zu er-wehlen. Allerdings auch bey abwechselnderUnpäßlichkeit des Königs die Grandes in zwoKäionen gar künstlich vertheilet/ und auf denevent zubereitet worden sind / bjß endlich einsolches testament zum Vorschein kommen/ wel-ches entweder fälschlich eingeschoben / oderdoch vor unrechtmäßig zu halten ist.

Im übrigen würde es zu der ruhe des gan-tzen Europä/welche vornemlich in der baiancebestehet/ nicht wenig comribuiren/ wann diese

machtige erbschafft nicht bey einer eintzigenausser dem schon conkdemklen Potentz ver-bliebe/ sondern vielmehr per gmicabilem com»polmonem unter die jenigen vertheilet würde/welche das meiste recht hierzu erweißlich ma-chen könten. Absonderlich erfordert es derCrone Engelland/Portugal! und anderer um-liegenden Staaten interesse/ dieses seguiiibriumzu befördern/ und das gewaltige hauß Bour-bon nicht bey einer solchen grossen Monarchiezu lassen/dergleichen Europa noch niemahls ge-sehen.

Die fürnehmste innerliche Staats -ma- ^taats.M.xime von Spanien gründete sich ehmahlen auf""""'die Römisch-Eatholische religion/und derenreinhaltung/und pflegten / wie sonst insgemeinin der welt/ also auch sonderlich in diesem Kö-nigreiche unter deren vorwand vorzeiten dieallerunverantwortlichsten contilia und blut-stürtzungen unternommen und ausgeführt zuwerden. Dieses Staats - interesse hat in ,Spanien so eine grosse menge der mquilirionz-Häuser und mguilirorn gezeuget/welche/ wennsie leute ausgemachet/ die von den glaubens-artieuln der Römischen kirchen mißstimmig ge-wesen / und den Röm. Pabst nicht vor dasHaupt der kirchen halten / die messen und pro» >celiione8 nicht frequenriren/ und andere merck-mahle eines Catholischen Christen nicht vonsich geben wollen/ihnen einen l'/iiogismum für-

geleget ex igne, aczua öc la^ueo, (ZU! korciuz,^usm gui primX Hgurse dicicur,collcludit5st^ueul?i mors necellario ingreditur conclulionem;

das ist/sie mit denen allerempfindlichsten mar-tern beleget/und vom leben zum tode gebracht.Gestaltsam deNN das OKcium lanÄX inczuiti.riomz nicht zufrieden gewesen/ daß dergleichenerbärmlicher und tödtlicher gewissens - zwangden leuten in den Spanischen Königreichenund Provintzien auferleget worden/ sondern eshat sich auch hoch bemühet/durch vermittelungihres Königs bey denen übrigen CatholischenPotentaten es gleicher gestalt dahin zurichten/daß man aller orten und gesamter Hand aufdie bekehrung oder morriücsrion der uncatho-lischen gedencken möchte/welcher eifer in Spa-nien noch immerzu währet/ und erschrecklichegrausamkeit nach sich ziehet; sintemahl ver-mittelst derselben eines ieden leib/gut und ehreder gewalt der unbarmhertzigen pfaffen un-terworffen ist / welche sich aus unmenschlicherstrenge einen sonderbahren rühm suchen/ undda man aus leichter muthmassung oder fälsch-lichen angaben/ehe man sichs versiehet/beymkopffe kan genommen werden/daß man wedersein verbrechen noch seine ankläger weiß / undhaare lassen muß/wenn auch gleich die Unschuldan tag kömmet. Darwider hilfst denn keinPrivilegium, keine gunst des Königs nochfürbit-te/ sondern es muß gehen wie es die ketzermeisterhaben wollen.

Bey dem Römischen Pabsthum und derClerisey haben die Könige in Spanien dieprächtige titulaturen : kegez Larkolici, vexceraM3NU5 kcclellse, Vekentore; Udei , und derglei-chen lobsprüche dafür erhalten/ und Zlorüren .noch damit. Dieser Ursache halber treten ih-nen auch alle Floren/sonderlich die Herren Je-fuiter/so fleißig zur Hand/und der Pabst leistet

alle

-