6 DesEuropäischen Herolds zweyte Haupt-Handlung
ten wurde/ woraufdieTeulsche linie König Lud-wigs zufiele und Lotharingen an sich brachte.
Nun hatte zwarK. Carl derKahle seine k>ro-vilion ausden rechten erben gerichtet/dieStändeaber / welche sich durch diese Veränderung großmachen wolten/und ihr eigen interesse suchten/trugen denen unächten das Regiment auf.Seinglück war es / daß solche stiefbrüder und be-schwerliche mit-erben zeitig starben /und der eineKönig Carlemann den König Boson in Are-lat / welcher sich zum König aufgeworfen / be-zähmete. Allein es war der Cron - Printz nurfünff jähr alt / und muste feinem Herrn VetterCarolo Crasso/ Römischen Raxser/ die vor-mundschafft überlassen; wiewohl dieser selbstVormunds bedurffte/ und blödigkeit halber desA? Kayserl. throns A. 888 entsetzet wurde. Undnechsel. tragt sich hierbey eine so merckwürdige verwan-delungdesglückszu/daß/ da dieser Rayseralle lande/ so Rayser Carl der Grosse beses-sen/ wieder vereiniget/ (denn als hochbesag-ter König Carlemann verstorben / kamen dieReiche A. 884 unter einen Herrn wieder zusam-men) und er sie wol erhalten und der mächtigsteverbleiben können/er dennoch also unglücklichund arm worden/ daß er (wie etliche wollen)das brodt mir gloeken - lauten im Dom zuMayny kümerlich verdienen müssen. Dar-auf hätte Carlemanns söhn Ludwig sollen zurCron Franckreichgelangen: Weil er aber un-mündig war / führete Eudes oderÖdo/ Grafzu Paris und Hertzog in Francken / die vor-mundschafft und sämimüration des Reichs/welches in viel schwere innerliche zwistig-keiten verwickelt wurde. Die Grandes inFranckreich eigneten sich alle gewalt zu/und lies-sen der Königs. Hoheit wenig mehr übrig; keinerVormünder aber griff der Monarchie so sehr ein / als dieser»ermiude- Vormund / welcher sich A. 888 auf seines pfiege-sohns thron setzte / und zum König krönen ließ.Die Stände wurden hierob jaloux/ und fetztendem rechten erben im xiil jähr seines alters' die Crone auf/ und waffneten ihn qjlch beyvermerckter extremität wider jenen. Dochwurde der krieg durch vermittelung RayferArnolphs bald aufsolche conüition beygeleget/daß Eudes dasjenige/was er in der grafschastOüeans/PoictouundPau's besaß/behalten/daszepter aber abtreten solte. Weil nun König Lud-wig untüchtig war/versicherte sich Printz Carl/Kayser LudwigsdesStammlenden Herr söhn/des Reichs / mit hülste des Kaysers / und wur-de A. 898,in welchem jähr König Ludwig starb/darinnen recht befestiget: Weil er aber damitnicht zufrieden war / daß Kayser Arnolph ?e-nowalden oder Aundibolcken/ seinem unäch-ten sohn/das Königrich Lotharingen übergeben/suchte er ihn zu üepolltüiren/ konte es aber so we-nig ausrichten / als er sich vielmehr die Ständezuhalße gezogen/die sich zu demKayser wandtenund sich A .9OO dessen Herrn sohnLudwigen un-terwarffen. Der gewesene KönigEudo starb A.898.
K.Carls UN-' HieraufbekamKönigCarl der Einfaltige ei-«ÄÄ nen andern Feind /Graf Roberten zu Paris/des verstorbenen GrafEudes oder Odens bru-der/ und nach ihme Heryog Rudolphen zuVurgund/und Graf Herberten von Ver>maväois, deren dieser den einfältigen König A.
924 gefangennahm/und fünff jähre im ge-fängniß herum führete/ biß er A. 929 starb.
Nach Rudolphs tode / welcher imJ. C. 9Z6 er- ^ .folgte/ kam König Carls des Einfältigen Cron- ^
Printz Ludwtglv aus dem cxiüo, welches er auf de»seither in Engelland ausgehalten / und deßhal-ber ä' outre mer oder dlltramarinuz genennetwird/ auf den Königlichen stuhl. Dieser such-te das bißher durch innerliche empörungen zer-rüttete Königreich durch zulängliche mittel zustillen/ die parthie aber der Grafen zu Pariswar so mächtig und tiefgewurtzelt / daß er sei-nen zweck nicht erreichen konte. Jedoch ließ erGraf Herberten von Vermandois an dengalgen knüpfen. AlserdesobgedachtenGrafRoberts zu Paris in die väterliche fußstapf-fen getretenen söhn Hugo den Grossen zum ge-horsam bringen wolte/bekam ihn derselbe A.94s gefangen/ biß Kayser Ottoi A. 950 miteiner armce in Franckreich gieng und den gefan-genen König erledigte. Er verließ A. 954 zumNachfolger seinen söhn Lotharium / welchemdie viele unruhen/zumahl auch der krieg mit.sei-nem bruder H. Carln zu Lotharingen undRayftr Ottenii. viel zu thun gaben/daher er K. Ludwigsauch seinen Cron-Printzen Ludwigen v zeitig ^^"'ab-zur regierung anführen ließ. Allein der unter- sali..gang und die fatalität desEarolingischen stum-mes nahete herzu / und war dieser Ludwig/zu-mahl nach des Herrn vaters tode/ ein solcher e-lender und verachteter Herr / daß ihm seine un-terthanen nichts nachzusagen wissen / als daßer den zepter verlohren / und den beynahmenraine3m,d.i. des Faulen verdienet habe/wel-ches schimpfiiche des Carle-manns sohne/und K. Ludwigs des Stammlen-den enckel beyleget. Sein Vormund undReichs-verweser Hugo Capet/ Graf zu Paris/ ob-gedachtes Hugonis des Grossen sohn/hatte biß-her so viel macht und respect allenthalben erlan-get / daß sich sein Herr selbst vor ihm fürchtete /und aus furcht / es möchte ihm wie KayserCarln dem Einfältigen ergehen / davon lief.
Seinem nächsten Agnaten / als seines herrn^. .. -vaters bruder/ hochgedachtem Heryog LothareCarln zu Lotharingen /gebührete krafft des w-wSaaltschen geseyes die Crone. Hugo Capet folge bey
halber von der Cronfolge ausgeschlossen / undversicherte sich nun desselben und seiner beedenPrintzen / Ludwigs und Carls/ durch arresti-rung ihrer Personen / und behauptete das Reichvor sich. Erwehnter ?anvimuz füh-
ret das geschlechts-register anders ein/ undgibt Hertzog Carln zu Lotharingen einen söhnnahmens Ötto/ welcher in der schlackt um-kommen/und mit dem der stamm verfallen:Hergegen sagt er/daß K.Ludwig v noch einenbruder Carl genannt gehabt/welcher zwey söh-ne/ nemlich Ludwigen und Carln/gezeuget / sodie letzten von des grossen Carls stamm und na-men/und von der Reichsfolge ausgeschlossen ge-wesen. Gleichwol rühmet sich der Heryog zuLotharingen noch heutiges tages vor einenrechtmäßigen Cron-erben. Was aber imvorigen Seculo deßhalber vor schwere irrun-gen erwachsen/davon folget unten ein mehrers.
Also entfiel derCarolingische stam würck-