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Friedrich Leutholfs von Franckenberg Europäischer Herold, Oder Zuverläßige Beschreibung Derer Europäisch-Christlichen Käyserthums, Königreiche, freyer Staaten und Fürstenthümer; Nach ihren Natürlich- und Politischem Zustande, Kriegs- und Friedens- Religions- und weltlichen Verfaßungen : Biß auf dieses 1705 Heil-Jahr
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Des Europäischen Herolds

gleichen gewisse maße die Juden in einigenchristlichen Republiquen gedulttt werden.Reichs Die gräntzen eines ieden Reichs setzet undK^vermarcket der allregierende GOTT/und las-ftt nicht zu / daß menschlicher ehr - gech/ machtund Hoheit selbige mit glucklichem erfolg über-schreite. Er wandelt sie auch nach seiner all-macht/ und erweitert und verringert sie / wannes ihmwohlgcsällt.r-t.i- grän- Die welt - geschichte mercken an / daß derGlider vier Hcllespont der Aßyrischen Monarchie zurMjche. gl'äntze verliehen gewesen/ und hätten die siegeund triumphe der fürtrefflichen Königin Se-miramis sich allhier hemmen lassen müssen.^

Ja die andere Monarchie der Perser hättees auch nicht weiter bringen können / gegenNorden wäre ihnen der flußTanais und derberg Caucasus zu solchen gräntzen gesetzet wor-den/ darüber ihre stoltze macht nicht schreitendörssen.l )arlU8 und Xerxes hätten zwar

mit ihren grossen armem sich über den vorge-dachten Hellespont gewaget / wärm abersehr übel vonden Griechen empfangen/und eineschimpsiiche retirade zu nehmen gezwungenworden.GegenNorden wäre kcinKönig höherals Darms gerücket/hätte aber über den erwehn-ten fluß seinen zepter nicht pflantzen können.

Alexander der Grosse hätte seine besondereUrsachen gehabt/ warum er sich mit den wildenNordischen völckern nicht einlassen/ sonderndie Caspische pforte zuschließen / und hierdurchden Scythifchen völckern den eingang in A-sien benehmen wollen.

Daß beyder Römischen Monarchie der flußEuphrat der termmus fatalü, und die von GO.ttgeordnete gräntze gewesen / könte unschwerdaraus geschlossen werden/ daß / so offt dieseNation ihre siegenden adler darüber stiegenlassen wollen/sie unglücklich gewesen wäre; wel-ches die exempel der Kaysereirajam,(>ri, Vsl«.risni und Mlani des abtrünnigen klärlich bezeu-gen.

Es mangelt auch heut zu tage nicht an de-nen/ welche fürgeben; die Donau wäre zwi-schen dem Türcken und Christen / der Rheinzwischen Franckreich und Teutschland / diePyrenäischen gebirge zwischen Spanien undFr an ckre ich/die Monden - berge zwischen Egy-pten undÄechiopien die gräntzen und marckun-gm. Allein die erfahrung zeiget / daß sich dochhierinnen anderung zugetragen. Allermassendleses sicher ist/daß wie vorzeiten/also auch nochamtzt / durch göttliche zulassung und verhäng-Nlß/ oder auch wohl besondere fügung die grän-tzen sind erweitert worden/ wann sich die Re-genten auf alle diensame wege um deren Ver-größerung und um das aufnehmen ihrer Reichebemühet haben; oder GOlt der HErr aus ge-rechtem gerichte denKöniglichen mantel zerreij-fen/und ein stück hie/das andere dorthin aus-theilen lasten/ wie sonderlich der Römischen undSpanischen Monarchie geschehen.

Die meisten Welt-Reiche undStaaten ha-ben im anfange einen geringen begriff und un-beträchtliche macht gehabt/mit der zeit aber sindsie an landen und Provintzien/ volcke und machtdermaffen vermehret worden / daß sie zu grossenmachtigen Reichen und Staaten erwachsen.Der anwachs aber der lande geschieher durch

gewisse mittel / deren wir oben bey dem anfan-Durch wasge dieser Handlung gedacht haben/ und ereigensich dieselbe entweder bey Vermehrung der lan-gränM zude/oder bey erhöhung der macht. Jenes ge-crwetmn.schicht/wann durch kriegs - gewalt land undleut erobert / und durch erfolgte ftiedenschlüssederen eigemhum zu den alten Reichen und lan-den gebracht wird/welches so eine bekandteartist/daß es keines beweises bedarff/ alle frieden-schlüsse sind hiervon voll / sonderlich zu der Cro-nen Franckreich und Schweden vortheil.Desgleichen wann sich ein volck zu erhaltunggemeiner Wohlfahrt dem andern freywillig un-terwirfst. Dann ferner durch Heyrath undalliantzen. Nicht weniger durch Vereinigungder tande/wann ein Fürst/nachdem er zu einerCron gediehen/ sein Fürskenthum und landedem Reiche mcorpomet. Dermaßen habendie Könige von Franckreich von der itzigen drit-ten linie sich bemühet/ an die Cron alle alteHertzogthümer/Graf-und herrschafften zu re-umren/ und solches durch zusammeu-heyrathun-gen der letzten erben mit den Cron-Erben/ oderdurch die Heimfälle oder con6tcution und anderemittel/so glücklich etre^uiret / daß fast nichtsmehr zurück blieben / als die Graffschafft Flan-dern ; welche aber durch die p-LtkLatlons-hand-lungen doch^einiges an Franckreich überlassenmüsten. So wohl auch durch kauffe und ver- 'Pfändungen. Also hat der itzige König vonFranckreich den zuverlaßigen see-Hafen Dün-kirchen der Cron Engelland A. 1662 um einigeMillionen goldesabgekaufft. Die drey Loth-ringische Bischoffthümer/Metz / Tull undVerdun/ Hat ttenncus 11 König in FranckreichA. 155^ eingenommen/ undseyndihmvon denprotestirenden Ständen nur biß zum ausgangedes kriegeszu besetzen überlassen worden/ da-mit sich Kayser Carl der v selbiger nicht zu sei-nem vortheil gebrauchen möchte: Jedoch spie-lete Franckreich nachmals das öeati polliä-nte8,und wolte sothane Bischoffthümer nicht wie- 'derum abtreten; inmassen sie ihm denn auchendlich durch den Westphälischen frieden zuge-eignet^worden. Weiter werden die Reicheund länder durch conczuettir-und gewaltsameeroberung neuer landschafften. Auf welchean die Spanier/Portugiesen/Engel-und Hol-länder/ auch Frantzosen Ln^ der neuen und altenwelt ihre alte Reiche und länder sehr vermehrethaben. Durch ruin der benachbarten Reicheist mancher Staat auch mächtiger worden.

Also ist aus der Babylonischen Monarchie diePersische/ aus dieser die Römische/und aus Zer-rüttung des Constantinopolitanischen Reichsdas Türckische Kayserthum entsprungen.

Durch hülffe und beschützung der Bunds-ver-wandten haben die Römer ihre gröste macht/und die Cron Schweden die in Teutschland ha-bende Fürstenthümer erlanget. Leblich beför-dert man die incrementen seines Staats durchUnterdrückung der schwachem Bundsgenossen/denen man wider einen mächtigen seind glück-lich geholffen. Wäre der Türcke von einemund andern thei! der Orientalischen Potenta-ten nicht zum beystande erfordert worden/wür-de er nimmer einem nach dem andern das jochüber den hals geworffen/ und so viel Provin-tzien/Königreiche und lande au sich gerissen ha-ben.