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Als der hochwürdigste Bischof Eduard Jakob Wedekin von Hildesheimim Jahre 1852 bei seiner Firmreise ans dem Untercichsfelde an der großenWallfahrt in Germershausen (auf Maria Heimsuchung) Theil nahm, sprachsich Hochderselbe über die Zweckmäßigkeit eines Klosters an diesem Gnaden-orte aus, weil daun die zahlreich herbeieilenden Pilger die beste Gelegenheithätten, ihre religiösen Bedürfnisse bei den Patres zu befriedigen. Der seligebischöfliche Kommissarius zu Duderstadt, der nachherige Domkapitular inHildeshcim, Seiters, suchte sofort diese Idee zu verwirklichen, indem er inder Nähe der Kirche einen Platz ankaufte, wo er, von seinen vielen Freundenin und außer Deutschland unterstützt, den Klosterbau in Angriff nahm.Dem hochwürdigen Bischof glückte es auch, zunächst einen Pater und einenBruder aus dem Orden der Kapuziner für das Kloster in Germershausenzu bekommen, welche im Juli 1856 eintrafen. Diese zogen aber nach andert-halbjährigem Aufenthalte wieder ab, da sie anderwärts verwendet werdensollten. Nachdem das Kloster drei Jahre unbesetzt geblieben war, kamenaus demselben Orden drei Patres und drei Brüder her, die ebenfalls nachdritthalb Jahren wieder abgerufen wurden, weil die Gebäulichkeiten nichtnach ihren Regeln eingerichtet waren.
Durch solche beklagenswerthe Ereignisse wurde man jedoch nicht cnt-muthigt. Der Opfersinn des eichsfeldischen Klerus machte es möglich, daßder Aus- und Weitcrbau des Klosters nach einem von den Lazaristenpatresin Hildesheim mitgetheilten Plane vollführt wurde. Endlich übernahm derGeneral-Kommissär der Augustiner zu Münnerstadt in Baiern die Wieder-besetzung des Klosters, und schickte im November 1864 zur Freude der Be-wohner des Eichsfeldes drei Patres und drei Brüder dahin. Diese habennun im Beichtstuhle und auf der Kanzel in Germershausen selber und durchAushilfe in den Gemeinden des Eichsfeldes sowie durch Abhaltung von Exer-citien in Germershausen mit unermüdlichem Eifer höchst segensreich gewirkt,bis zu ihrem unfreiwilligen Abzüge in Folge des sogenannten Klostergesetzesam 31. August 1875.
Seit die guten Augustinerväter, denen man rühmend nachsagen muß,daß sie mit flammendem Eifer bemüht waren, Seelen für den Himmel zuretten, den Wanderstab haben ergreifen müssen, konnte die Wanderung derPilger nach Germershausen nicht mehr so großartig sein, da die Kräfte fürdie Seelsorge fehlen. Indeß wird doch möglichst Sorge getragen, daß dasheilige Feuer katholischen Glaubens und katholischer Andacht an dem Gnaden-orte Germershausen nicht erlösche. Die Hauptwallfahrt am Feste MariäHeimsuchung, für welches Pius IX. einen vollkommenen Ablaß für ewigeZeiten verliehen hat, wird immer noch von 10—12,009 Pilgern besucht;und jeden Sonnabend das ganze Jahr hindurch, für welchen Tag Pius IX.den Besuch der Gnadenkapelle und die Verrichtung der Ablaßgebete mit einemAblasse von 100 Tagen begnadigt hat, kommen Pilger aus der Nähe und