Marm-Wnchen Sei Lohr.
^T^ie Stätte, auf welcher die Wallfahrtskirche Maria-Buchen erbautist, gehörte ehemals der Benediktiner-Abtei zu Neustadt am Main.Ueber die Entstehung dieser Wallfahrt wird Folgendes berichtet.
An der Stelle, wo jetzt die Wallfahrtskirche steht, erhob sich vorZeiten eine große alte Buche, an welcher kein Jude vorübergehen konnte,sondern umkehren und einen andern Weg nehmen mußte, während die Christenihres Weges ungehindert vorüberzogen. „Um die Ursache," so heißt es, „zuerforschen, warum denn kein Jsraelit an der vorerwähnten Buche vorüber-gehen könne, begab sich ein frecher Jude an den gedachten Ort, um mit Ge-walt den dasigen Weg zu passiren, allein der verwegene Sohn Abrahamsmußte bei dem Baume, ohne einen Schritt weiter zu können, stehen bleiben.Der Jude sah nun, daß seine angewandte Mühe umsonst war, ward zornig,ergriff voll Wuth sein Schechmesser und stieß es, um sich gleichsam zu rächen,mit aller Gewalt in den Baum, woraus sogleich aus demselben der Klageruf:O wehe! O wehe! O wehe! erscholl."
„Diese Klagestimme erschreckte den Juden so sehr, daß er weder seinMesser, das er blutig aus dem Baume zog, in die Scheide bringen, nocheinen Schritt fortgehen konnte, und so mußte der nicht wenig erschrocken^Hebräer wie gebannt an Ort und Stelle stehen bleiben, bis Leute kamen,denen er das Geschehene erzählte. Als hierauf der frevelnde Jude dem Ge-richte überliefert und allda den Hergang der Sache gesagt hatte, ward aufObrigkeitlichen Befehl der fragliche Buchenbaum gespalten, worauf man indemselben ein kleines hölzernes Vesperbild fand, an dessen Rücken unter demHalse ein mit Blut unterlaufener Messerstich bemerkt wurde.
Das Bild ist 9 Zoll hoch. Am Nacken ist der ihm beigebrachte Stichzu sehen, welcher sich durch keine Farbe verdecken läßt, obschon mehrere Ver-suche dazu angestellt sein sollen. Wahrscheinlich hatten Hirten dieses Bild ineiner Höhlung des Baumes aufgestellt, um vor demselben ihre Andacht zuverrichten, wo es dann nach und nach zuwuchs und erst 1395 durch dievorhin erzählte Begebenheit entdeckt wurde.
Es kann nicht befremden, daß das vorhin erzählte Ereigniß sich baldin der weiten Umgegend verbreitete und in Folge dessen auch bald eine Ka-pelle daselbst errichtet wurde, in welcher man dieses Bild zur Verehrung auf-stellte. Diese Kapelle erhielt den Namen „Marien-Kapelle zu Buchen" undBischof Johann II. zu Würzburg verlieh am 25. August 1434 einen Ablaßvon 49 Tagen für Diejenigen, welche an gewissen Tagen die Kapelle be-suchen würden. Nach der Klosterchronik von Maria-Buchen wurde dieKapelle am 29. IM 1461 durch den Weihbischof Johann von Würzburgeingeweiht.