D. Persönliche Dichtung 939
seiner Zeit stand und daß er in der älteren wie neueren Literatur sehr er-fahren war. Seine Verse sind flüssig und gewandt und nach der Zeitsitteendet er gern den Gedanken mit dem Distichon. Den Reim hat er gewißnicht gesucht, er ist nur selten zu gewahren, auch die Verschleifung begeg-net nur in wenig Fällen, während der Hiatus fehlt. Dagegen sind Wortspielenicht selten und es begegnen auch einige Trinini salientes. Besonders abermuß die Vorliebe Heinrichs für neue Wortbildung hervorgehoben werden,und zwar nach einer Richtung hin, die seit der zweiten Hälfte des 12. Jahr-hunderts auch sonst bei Dichtern mehrfach auftritt.
Zeugnisse. Kenntnis des Terenz erweist 1, 63 der Name Davus (aus Andria oder Phor-mio) des Vergil 1,143 Aen. 5, 294 und 3, 91 1 Aen. 6,126, des Horaz 1, 225 f. Ep. 1, 2,42 3,137 f. Carm. 2,10, 9 ff.; 4,13 = Ep. 1, 4,14; 4,141 A. P. 1 f., des Ovid (genannt 1,17' 3,51) 3,123 Met. 1,198 ff.; 4,34 Met. 2,140, des Persius 1,13 f. Sat. 1, 58.121; desJuvenal 1, l 2 Sat. 1, 74; 1,111 Sat. 5, 2; 3,167 Sat. 10,1; 3,171 f. Sat. 10, 22; der Di-sticha Catonis 1, 202 Dist. 2, 26, 2; 4,135 f. 3 Dist. 1, 27, 2, des Avian 4,187 f. Fab. 16, 4des Maximianus 1, 70 Eleg. 1, 4; 1, 71 f. El. 1,134 f.; 1, 79 f. El. 1, 241—244; 1,162 El. 1,222; 1,187 El.l, 253 f.; 1,216 El. 1,251 f., des Isidor 2,227 Et. 17, 9, 59. Kenntnis desApolloniusromans erweist 2, 213 non semper saepe rotatum Volvis Apollonium. Lucan wirdnur genannt 1,18.
Angeführt wird das Gedicht von Hugo von Trimberg im Registr. mult. auct. 876 Hunclibellus sequüur Pauperis Heinrici Fortune mutabilis crudelis inimici, wo 1,1 f. folgen.Aber auch Albert von Stade scheint ihn im Troilus zu benutzen, vgl. El. 1, 95 fast =Troil. 3, 627, El. 4,163 f. mit Troil. 1, 421 f. Nicht selten aber werden Verse aus dem Ge-dicht in der Chronik des Salimbene zitiert, nämlich (ed. Holder-Egger, MG. SS. 32)p. 137, 23 f. {poeta modernus) 2, 209 f.; p. 157, 6 ff. 3, 44 und 1, 31 f.; 202, 27 1,129 f.; 331,29 4,153. Zur Mythologie vgl. 1, 51—56. 93 ff. 143. 221. 2, 24 ff. 3, 62. Erwähnung vonNamen aus dem troischen Sagenkreise 1, 63 f. 4, 209. Zum weiteren Altertum und zudessen Geschichte vgl. 2, 33 f. 68 f. 151. 3, 47 ff. 63. 239. 203 ff. Wortspiele vgl. 1, 43.179.3,64. Wortbildungen z. B. 1, 217 taxillare, 4, 137 vulpescere, 155 heremitare — deremitare,170 caninare, 178 optimitas sind von herkömmlicher Art, aber eigenartige Formen sind1, 21 neronizare (das aber schon bei Alanus ab Insulis Contra amorem Veneris 137 (Leyserp. 1097) erscheint); 1,163 codrior (von Codrus), 2, 5 neronior von Nero, 5 3, 3 salomonior etSalomonen 3, 87 platonior ipso; 2, 20 protheare, 3, 5 helenare, 7 3,11 philomenare. Kultur-geschichtlich wichtig ist z. B. 1, 205 und 1, 217—230 (Träume). Von Wörtern sind sonstzu erwähnen 1, 8 dedecorosus und 4, 69 (207) trutanus. Zum Sprichwort u. dgl. 1,140.145.2,109. 213. 225. 3, 36, 44.119 f. 4,189. 225. 227 f. Zu Versen mit reimenden Teilen vgl.4,217—220; zum Reim 1,15. 2,101 f. Epanaleptische Verse sind 1, 239—242. Frühzeitighat das interessante Gedicht Erklärungen erhalten, wie im Monac. 21566 s. XIII, wo sichauch geschichtliche Scholien finden.
Ueberlieferung. Aufschriften in alten Katalogen finden sich in Oberaltaich 1348(Cod. Groning. 161 f. 124a), 1412 bei Amplonius (Le h m an n 2,13,17), bei Andrea Przecora.in Bordesholm 1488 (Merzdorf, Bibliothekar. Unterhalt. 2, 406 N. 27) und in Prag s.XV(Mitt. d. Inst. f. österr. Gesch. 11, 309 S). Hss.: Vindob. 303 s. XIV f. 29 (Ecloga miseriHeinrici), 3114 s. XV f. 168. Monac. 237 f. 183b s. XV, 7784 s. XIV f. 62 (vorher f. 1 Ta-bula ad inveniendum. diem carnium ab a. 1185 ab Henrico paupere composita), 14496 s. XVIf. 176,14529 s. XV f. 166, 14586 f. 218, 21566 s. XIII f. 68; Cremifan. 149 s. XV mit Unter-schrift, die auch einige Münchner Hss. besitzen; Prag. 546 s. XIV — XV f. 39b. Amplon.Q 49 s. XIV f. 67 und Q 10 s. XV f. 93b. Vatic. 2868 s. XIV f. 13.mit Unterschrift Explicit
1 92 Ut docet archiloqua voce poeta Maro. im Laborinthus 347 f. ursior urso, Tigride
2 Hier ist die Bedeutung des letzten Wor- tigridior (Faralp. 348). Daselbst 912 p. 368tes aleph nicht recht klar; die Lesart hat Ranizare parant turpidiore sono und Aegi-aher schon Hugo von Trimberg im Regi- dius Corboliensis De compos. medicamen-strum 878. tis2,100 (Leyserp.541) Codrizattua, Codre,
3 Mit dem Zusatz si non mihi, crede Ca- salus, sowie Carm. Burana 19, 5, 8 cum simt°ni. Codro Codrior.
4 Auf Fabeln geht wohl auch 4,139 und 6 Weiser als Salomo.
4,199 zurück. ' So Albert Stad. Troilus 3, 717 tiresiat.
5 Aehnlich bei Eberhardus Alemannicus