718 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
Lehrer als Verfasser des Florilegs schließen dürfte, erscheint unsicher daes kein eigner Vers zu sein braucht. Vs. 117 berührt sich mit Avian. 5 17fund Vs. 28 stammt lutulenta libido aus Prud. Psych. 87. Zu erwähnen wäreVs. 295 Tangere docta lyras Euterpe mitigat iras und der wenigstens in seinerersten Hälfte sicher entlehnte Vers Quos par culpa ligat hos par quoquepena fatigat; aber auch andre Verse werden sich noch auffinden lassen.
Ueberlieferung im Audomar. 115 f. 97 und 710 s. XIII f. 120. Ausgabe von ErnstVoigt, Romanische Forschungen 6, 557—574. Vgl. F. Seiler, Deutsche Sprichwörter-kunde S. 74.
i) Florileg von Heiligenkreuz. In einer Handschrift von Heiligen-kreuz findet sich ein Florileg, dessen Sammler es mit einer Prosavorrede eröff-net, in der er über die Bedeutung einer solchen Arbeit sich ausläßt und aufdie persönlichen Urteile Ovids über seine eignen Schriften verweist. Er selbsthabe nur weniges zum Vergnügen, das meiste zur Erbauung zusammen-gestellt und er biete seinen Zeitgenossen, die sich gern mit Poesie beschäf-tigen, diese Sammlung, die er mit Juven. Sat. 1, 85 f. eröffnet, um dann alsArgument für seine Dichterauszüge Hör. A. P. 333 f. 343 f. zu geben. Hieranschließt sich ein Prolog in Distichen für die Auszüge aus Ovid, deren erstesBuch solche aus den Metamorphosen bringt, Wobei 38 Kapitel von Desumma dei potentia bis zur Descriptio inferni erscheinen. Auf die fünf BücherOvidauszüge folgen Exzerpte aus Horaz, Vergil, Lucan, Juvenal. Hieraufkommen die christlichen Dichter Boethius, Sedulius, Prudentius, Arator,Avitus, Fortunatus, und zwar mit einem aus Juvencusversen bestehendenProloge. Ein Epilog, an dessen Schluß der Sammler vom Leser Abschiednimmt, beschließt das in 14 Bücher geteilte Werk, in dem die heidnischenPoeten wie gewöhnlich einen viel größeren Raum einnehmen als diechristlichen. Dasselbe Florileg steht in Claustroneob. 1095 s. XIII, 1 undmit der gleichen Prosavorrede im Monac. 6911 s. XIII; 2 auch findet essich im Salisb. St. Pet. a. V. 41. Ob nun freilich das Florileg von Heiligen-kreuz noch ins 12. oder nicht schon ins 11. Jahrhundert gehört, dürftefraglich sein, denn im 12. Jahrhundert hat man für Dichter wie AlcimusAvitus und Fortunatus wenig mehr Sinn gehabt. Eine wichtige text-kritische Ausbeute gewährt das Florileg aber nicht, da die benutzten Hand-schriften, wie Huemer erwähnt, 3 keine guten waren.
Von dem Verfasser des Florilegs stammt nun auch wohl die sich in derHandschrift unmittelbar ohne Überschrift anschließende Sentenzensamm-lung, die gleichfalls von einer Vorrede in Distichen eingeleitet wird. Hiersagt der Verfasser, daß er Scherz und Ernst gemischt habe und aus demScherz den Ernst erkennen lassen wolle; er tadle sowohl andere als auchsich selbst und er lache ebenso über andre als über sich. Ob nun die folgen-den Sentenzen, die in Distichen geschrieben sind, ein Florileg darstellen,dürfte zweifelhaft erscheinen, denn nach den Proben zu urteilen scheint dieSammlung eine einheitliche Färbung zu haben, deren Stücke sich insoferndem Epigramm nähern, als die einzelnen Distichen sich an verschiedene
1 Vgl. J. Huemer, Wiener Studien 9, 52. 3 Ztschr. f. d. österr. Gymn. 1881, 420.
2 Vgl. Wattenbach, Anz. f. Kunde der Dort werden S. 418 einige Lesarten zudtsch. Vorzeit 23 (1876), 75 f. Vergil mitgeteilt.