A. Historische Dichtung 647
Beitr z Kunde d. lat. Lit. d. MA. S.192), vgl. Haureau, Not. et extr. 29,2, 239 und28 2,401. Zu Hildebert vgl. Leyser p. 398 und Migne 171, 1447.
Ueberlieferung. Genannt wird das Gedicht unter dem Namen Aurea capra schonim Katalog von Bec s. XII (Becker 86,110). Hss. Paris. 8430. Abrinc. 93. Oxon. Joh.Bapt coli. 92 und Rawlinson G.109,vgl. W. Meyer, Gott. Nachr. 1907, 82.Vat.reg.344 (Historia Troiana). Lips. 201 f. 174 b s. XII/XIH besitzt nur den ersten Teil. Exzerptebietet Bern. 710 s. XII/XIH f. 73 b , als Reste einer Aeneis des MA., hrsg. von H. Hagen,Fleckeisens Jahrb. 111, 696 ff. Ausgabe (ohne die nachträglichen Aenderungen des Ver-fassers) von Leyser, Hist. poet. et poem. p. 398 = Migne 171,1447 = Alberti Stad.Troilus ed. Merzdorf p. 199—203.
2. PETRUS SANCTONENSIS
Das mit dem ersten Buche von Simon Aurea capra fälschlich verbundeneGedicht Viribusarteminisin62 leoninischen Distichen soll nach Haureauvon einem Petrus Sanctonensis gedichtet sein. 1 Es beginnt mit einer allge-meinen Klage über die durch das Urteil und den Raub des Paris verursachteZerstörung Trojas, das um eines Weibes willen ein so schreckliches Schicksalhatte. Dann schildert der Dichter, wie die Griechenfürsten dem Menelaos inseinem Zorn Beistand gewähren und wie der Angriff auf Troja erfolgt, dasaber nur durch List gewonnen werden kann. Mittels des hölzernen Pferdesdringen die Griechen in die Stadt, ein schreckliches Morden und Brennen be-ginnt, alles wird getötet, auch der alte Priamus und Hekuba. 2 Die herrlichstenBauwerke sinken in Schutt und Asche und sind nun Schlupfwinkel für Raub-tiere aller Art. Nur Aeneas rettet sich aus der Zerstörung, er gelangt nachHesperien, kämpft mit Turnus, tötet ihn und gewinnt dadurch Lavinia unddie Herrschaft. Daher stammt das römische Volk und seine Weltherrschaft.
Ueberlieferung im Dresd. De 171a s. XII f. 39b; Lips. 201 s. XII/XIII f.l74b;Berol. 991 s. XV f. 218. Vindob. 883 s. XIV. Druck (aus Lips.) bei Leyser p. 404ff., 3bei Dumeril, Poes, popul. lat. anter. au Xlle siecle p. 400, bei Th. Merzdorf, AlbertiStad. Troilus p. 203 Vs. 153—276 und bei J. Huemer, Mittellateinische Analekten(Wien 1882) S. 16—20. Das Gedicht findet W. Meyer (Gott. Nachr. 1907, 145) desHugo Primas nicht für unwürdig. Vgl. G. Rossi, Scritti varii in onore di Rodolfo Re-nier, Turin 1912, 728 ff.
3. CARMEN DE LEDA
Da sich die lateinische Welt seit dem 11. Jahrhundert mit der antikenMythologie ganz vertraut gemacht hatte und teilweise ganz in ihr zu lebenschien, so ist es kein Wunder, daß auch solche Stimmen nicht fehlten, diedie alten Göttersagen parodierten. Ein solches Gedicht ist das auf die Leda,wohl um die Mitte des 12. Jahrhunderts von einem Engländer, vielleicht inFrankreich, verfaßt. Im Mittelpunkt steht die Liebschaft des Dichters zueinem Mädchen, das er Alborsnennt, ein Name, der nach E. Schröder dieromanisierte Form von Alburg darstellt; nach einer sehr ansprechenden Ver-mutung von W. Meyer, dem wir die Ausgabe und Erklärung des Ge-dichtes verdanken, könnte die Kürzung des in Alburg steckenden NamensAthelburg zu Adel(e) durch Umkehr den Dichter auf Leda erst gebrachthaben. Im Hinblick auf das Liebesverhältnis zu Alburg hat er dann seinGedicht geschrieben, das aus 104 Fünfzehnsilbern besteht.
1 Les melanges poetiques d'Hildebert de 3 Ist der Abdruck genau, so enthält der
•Lavardin p. 160. I63ff. Lips. eine sehr schlechte Ueberlieferung, eine
Vs. 83 Alter Homerus ero vel eodem maior viel bessere hat der Dresdensis.Homcro, Tot clades numero scribere si potero.