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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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F. Klostergeschichte 539

auch die Gründungsgeschichte des Klosters zu schreiben. Vielleicht hatteWilhelm den Schatz des Klosters zu verwalten, 1 und er wendet sich in derVorrede zur Vita Benedicti iunioris — das Leben Benedikts I. ist nicht er-halten — an den Bibliothekar Gerald. Wilhelm war als junger Mann insKloster gekommen, war aber wegen des strengen Regiments Benediktsgeflohen, doch die Güte des Abtes hatte ihn völlig entwaffnet und er hattedie wohltätigen Folgen der strengeren Regel kennen gelernt, so daß er sichentschloß, von Benedikts Leben ein getreues Bild zu entwerfen. DieseSchrift ist nun so ungemein lebendig und anschaulich gehalten, daß der fürsein Kloster treu sorgende Abt vor allem in rein menschlicher Beziehungklar vor dem Auge des Lesers steht und daß das Werk an manchen Stellengeradezu ein novellistisches Interesse gewinnt. Allerdings hat zu diesemBilde die alte Literatur mitgeholfen, denn die Episteln und Satiren vonHoraz bedingen stellenweise fast den Wortlaut. Man sieht daraus deutlich,daß die Schule auch in solchen weltentrückten Klöstern eine nicht geringeWirksamkeit zu entfalten vermochte.

Wilhelm erwähnt in der Widmung, daß der wissenschaftliche EiferGeralds ihn zum Schreiben bewogen 2 und der Befehl des Abtes Ermengauddazu mitgewirkt habe. Zum Leben Benedikts übergehend, erzählt er, wiedieser in Toulouse geboren und dem Kloster Carcassonne übergeben, späternach Clusa unter Abt Petrus (1046—1066) gekommen sei. Nach dem Todevon Petrus wird er als neuer Abt gewählt, kommt aber mit Bischof Kuni-bert von Turin in Streit. Um diesen schlichten zu lassen, geht er nach Rom,Alexander II. und Hildebrand nehmen sich seiner an und er wird schließlichvom Papste selbst zum Abt geweiht. Nun wird die strenge Regel von ihmin Clusa durchgeführt. Und hier erhalten wir eine höchst lebendige, teil-weise äußerst anziehende Schilderung von seiner geistlichen Tätigkeit.Selten hat wohl ein Kleriker zu jener Zeit mit solchem Aufwand von körper-lichen und seelischen Kräften den Gottesdienst verrichtet, wie Benedikt,aber selten ist das auch mit so beredten Worten geschildert worden, wie esWilhelm getan hat. 3 Dieser gibt dann ebenso lebendige Bilder von deraußerordentlichen Gastlichkeit Benedikts und malt hier mit novellistischenZügen im einzelnen aus, wobei die horazische Dichtung stark in Anspruchgenommen wird, namentlich wenn Wilhelm schildert, in wie hingebenderWeise Benedikt den Fremden persönlich diente. Als er einmal deshalb voneinem Mönch getadelt wird, antwortet er nur mit 1 Petr. 4, 9. Nach kurzerErwähnung Heinrichs IV. und Wiberts preist Wilhelm die große Mildtätig-keit Benedikts gegenüber den Armen und kommt auf sein Verhältnis zuden Brüdern im Kloster. Den Einwand, daß er ja keine Wunder seinesHelden berichte, fertigt er mit einer ganz gehörigen Antwort ab, die übrigenszum Teil rationalistisch genug ist. Dann werden die Feindseligkeiten er-wähnt, die Benedikt von Simonisten und Schismatikern, besonders aber

1 Nämlich wenn die Worte (MG. SS. 12, p. 110,1H. (oder aus der ursprünglichen

«7,10) nicht im übertragenen Sinne zu neh- Stelle bei Terenz And. prol. 1 ?).men sind, wozu aber kein Anlaß vorliegt. 3 Er gerät geradezu in Ekstase, wenn er

SS. 12,197,11 Tuum quoque . . . o Ger- 5 p. 200, 62 si fas est dici, non iam homo

<ude Studium appulit animum meum ad scri- credi poterat sed Spiritus et — ut pace sancto-

oendum aus Sulp. Sev. Vita Mart. praef. 5 rum dicam — quodammodo alter angelus.