Erster Abschnitt. Die Theologie und Philosophie 19
von Köln gegen die antike Philosophie; gegen ihn schrieb ein Hugo ein Ge-dicht. Für Heinrich IV. trat Petrus Crassus in der Defensio Heinrici einund auf gleicher Seite steht der Propst Wido von Osnabrück in der Contro-versia inter Hildebrandum et Heinricum. Dagegen wandte sich der Kon-stanzer Lehrer Bernhard im Liber Canonum scharf gegen die kaiserlichePartei und Bischof Anselm von Lucca schrieb in heftigster Weise gegen denkaiserlichen Papst Wibert. Wido von Ferrara trat in De scismate Hilde-brandi voll Überzeugung für Heinrich ein, während Bonitho von Sutri imLiber ad amicum für die Gegenseite schrieb. Der gelehrte Kanonist Bernoldvon Konstanz verfaßte eine ganze Menge Schriften zugunsten der Kurie,gegen deren Ansprüche sich sehr ausführlich der Liber de unitate ecclesiaewendet. Die Feindseligkeit der Parteien spiegelt sich in Briefen Walramsvon Naumburg und Herrands von Halberstadt wieder. Als gelehrter Kanonistnahm Kardinal Deusdedit in den Canones und in Contra invasores eine mehrvermittelnde Stellung ein und einige Kardinalsbriefe von Beno und Hugolassen sogar die Parteinahme für den Kaiser erkennen. Scharf satirisch gegendie Kurie ist aber die Schrift De Albino et Rufino des angeblichen Garsiasvon Toledo. Sigebert von Gembloux schrieb gegen die Verhöhner der Messenverheirateter Priester. Hugo von Fleury trat in De regia potestate scharf fürdas Königtum ein und das gleiche tut die Schrift De investitura episcoporum.Gegen die königliche Investitur schrieb Rangerius von Lucca ein GedichtDe anulo et baculo und Bruno von Segni verfaßte den Traktat De symo-niacis. Placidus von Nonantula wandte sich gegen Heinrich V. in der SchriftDe honore ecclesiae und das gleiche geschah von zwei Italienern in der Dis-putatio vel defensio Paschalis und im Rhythmus de captivitate Paschalis.Scharf für die Rechte der Kirche trat Goffrid von Vendöme in seinenSchriften ein. Kleinere Schriften eifern gegen das Anhören der Messen vonverheirateten Priestern und gegen die Gültigkeit von Sakramenten aus derHand von Häretikern sowie gegen die königsfreundlichen Einwohner vonMetz. Rupert von St. Lorenz dichtete einen polymetrisch gehaltenen, visio-nären Traum von den Zuständen in der Kirche. Für die Rechte der Priester-kinder trat Serlo von Bayeux in einem Gedichte ein und Girard von Yorkerhob in mehreren Schriften heftigen Protest gegen die römische Anmaßung,für die aber Marbod von Rennes mehrfach eintrat. Der Straßburger Kanoni-kus Hesso schrieb über die Verhandlungen des Konzils von Reims undMouzon. Honorius Augustodunensis verfocht in seinen Schriften durchausden päpstlichen Standpunkt, Arnulf von Seez richtete eine sehr persönlichgehaltene Streitschrift gegen Bischof Girard von Angouleme. Der Verfasservon De scismaticis wandte sich zugunsten Alexanders III. heftig gegenPaschalis III. Von einem verhältnismäßig hohen Standpunkte aus schriebGerhoh von Reichersberg seine zahlreichen kirchenpolitischen Werke. DerDialogus de pontificatu ist vielleicht von Rahewin verfaßt worden und dasGedicht Causa duorum apostolicorum hat vielleicht Matthäus von Vendömezum Verfasser.
Dogmatik. Philosophie. Von der eigentlichen Theologie ist als ersteAbteilung die Dogmatik und die mit ihr verbundene Philosophie zu nennen.Sigebert verfaßte das Werk De differentia quatuor temporum. Mit einer