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Anders aber ging es mit einem literarischen Produkt, von demtfoltei in seinen Erinnerungen nur andeutend spricht. „Jahre lang",30 erzählt er, „hatf ich mich mit einer poetischen Arbeit beschäftigt,die trotz ihrer halb und halb dramatischen Form, der wirklichenBühne fern und fremd bleiben sollte, ja mußte, die sogar der Publi-zität durch den Druck kaum fähig befunden werden konnte. Mehr-mals schon war ich im Begriff gewesen, das dick angeschwolleneManuskript zu vernichten, immer wieder fehlte mir der Mut, dasErzeugnis fünfjähriger Musestunden den Flammen zu überantwor-ten. Scheu gemacht durch die bedenkliche und Bedenken mancherArt erregende Kritik einiger ernster Freunde, zog ich das Urteilder verschiedensten Stimmen darüber ein: ob mein poetisches Un-geheuer leben oder sterben sollte? So erhielten nach und nachWilhelm Neumann, Chamisso, Eckermann, die Schopenhauer, Tieck,G. Schwab und durch letzteren indirekt auch Uhland, Einsicht indie als gefährlich bezeichneten Blätter und erst nachdem von allenSeiten der Ausspruch erfolgte, daß die allerdings vorhandene Mon-struosität des Werkes, eine mehr tragische, objektive und (bei allerFreiheit der Form) sittliche als niedrig-frivole sei, entschloß ichmich, einen Verleger zu suchen, der durch Vermittelung eines Drit-ten gefunden wurde. Während ich [August 1833] in Leipzig ver-teilte, kam das Buch, als solches, in meine Hände. Lieber Gott,alle Besorgnisse, welche seinem Erscheinen vorangingen, wären un-nöthig gewesen! Kein Teufel hat Notiz davon genommen; fastspurlos ist es im Wust unzähliger ,Krebse' untergegangen; unddamit auch mir kein gediegenes Zeichen seiner Existenz verbleibe,hat jener Vermittler das vom Verleger für mich bestimmte Honorarnicht an mich gelangen zu lassen für nützlich befunden." DiesesBuch, dessen Titel Holtei sogar verschweigt, ist sein anonym er-schienener „Don Juan Dramatische Phantasie in sieben Akten voneinem deutschen Theaterdichter, Paris, 1834. Bei Pierre Marteau".Die französische Firma war ein schon seit dem siebzehnten Jahr-hundert gebräuchlicher Deckname, dessen sich auch deutsche Ver-leger vielfach bei zensurwidrigen Werken bedienten; ins Deutscheübersetzt, spielt er als „Peter Hammer" in der deutschen apokryphenLiteratur eine große Rolle (vgl. S. 251 ff.). Der wirkliche Verleger des„Don Juan" war Otto Wigand in Leipzig. Diese „dramatische Phan-tasie" ist allerdings, wie der Verfasser im Vorwort sagt, „frei von denFesseln, die zufällige Bühnenform, Theater-Censur, Hofetikette undPrüderie des tugendsamen Publikums auflegen"; die Szene wechseltanmutig zwischen Notzucht im Schlafzimmer, im Garten, im Kloster,im Bordell, der Held läßt sich sogar durch andere vertreten, um allenGeliebten gerecht zu werden. Die Verse wimmeln von Reminiszen-zen, und das Werk kann künstlerisch auf keine ernsthafte Würdi-
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