287 v. HOLTEI
unterm 16. Januar 1822 heißt es in den Tagebüchern des Hofburg-schauspielers Costenoble: „Die Direktion wird aus Sittlichkeitsgefühlkein Stück mehr auf die Hofbühne bringen, dessen Handlung imDunkeln vorgeht."
Holteis Schauspiel „Hans Jürge", das im November 1834 auf derJosephstadt aufgeführt werden sollte, wurde von der Zensur glattverboten. Mit zahllosen Änderungen gelangte es endlich 1841 unterdem Titel „Die Perlenschnur" aufs Theater an der Wien. Auch sein„Trauerspiel in Berlin", ein Dialektstück von drastischem Zuschnitt,wurde 1834 für die Josephstadt nicht erlaubt; ein anderes, „DieMajoratsherren", mußte seinen anstößigen Titel in „Theodor undLeonhardt" verwandeln.
1835 übernahm Holtei die Regie am Josephstädtischen Theater,dessen Truppe auch in Baden bei Wien spielte, wo der kaiserlicheHof den Sommer zuzubringen pflegte. Aber der Tod des KaisersFranz am 2. März 1835 brachte infolge der Hoftrauer das Theaterzum Bankerott, der Pächter verschwand über Nacht und überließseine Schauspieler ihrem Schicksal. Der Regisseur nahm sich derLeitung des Unternehmens an, und um schnell mit einem neuenSchlager Einnahmen zu erzielen, quälte er sich „ein künstlich kom-poniertes, von äußerlichen Effekten zusammengestoppeltes, vier-aktiges Drama mühselig" ab, das nur darauf ausging, eine Reihe,,guter Rollen" in einen theatralischen Zusammenhang zu bringen.Die Kollegen waren entzückt, aber die Zensur machte einen Strichdurch die Rechnung; sie befürchtete, wie Holtei versichert, „daßmanche Andeutungen (jetzt würde man sie kommunistisch nennen)geeignet wären, Bedenken zu erwecken, und nachdem der amtlicheReferent sich bemüht hatte, durch loyale Striche den ersten undzweiten Akt möglichst zu purifizieren, gab er im dritten dies Be-mühen auf; ,der Lay ermann' [so hieß das Stück] kehrte in seineJosephstädter Heimat zurück, mit dem ausdrücklichen Bedeuten,daß es ihm in Wien untersagt sei, seine Leier ertönen zu lassen".Es handelte sich darin, wie Holtei erklärt, „um allerlei Anstößigkeiten,z. B. auch um die Liebe einer Dame zu ihrem Livreediener, um denSelbstmord eines jungen Paares und dergleichen Zierlichkeiten". DasVerbot kam ihm daher nicht allzu überraschend. Das Stück wardem Verfasser später selbst nur noch undeutlich in der Erinnerung,er will es selbst verbrannt haben.
Als Holtei 1841 in Wien Shakespearevorlesungen hielt, fand er dieZensurbehörde in milderer Stimmung. Allerdings hatte ihn die Für-stin Metternich persönlich dem Wohlwollen des Polizeigewaltigen,Grafen Sedlnitzky, empfohlen und dieser seinen Unterbeamten ent-sprechende Weisung gegeben. „Ich mußte zwar", berichtet Holtei,..diejenigen Dramen, die ich vorzubringen beabsichtigte, einreichen;