Druckschrift 
2 (1860) CF - GI
Entstehung
Seite
626
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626 EL. Nr. 1663.

1663. Erasmus Loy, Formschneider in Regensburg, war um 1560

ET r ° T bis 1570 thätig. Er scheint zur Classe derL-i / iL ooLf Modelschneider gehört zu haben, als welcherT~* n T n cr vom ft atne der Stadt auf Verfertigung von*v ^ Ls ^ „Kunst-Flattenpapier" patentisirtwar. Er nenntsich nämlich in einer Eingabe an den Magistrat selbst: Fertiger vonKunst- und Flattenpapier, Niemand gab aber bisher eine nähere An-zeige über die derartigen Produkte des Meisters. In letzter Zeit kamenuns Blätter zu Gesicht, welche von bedeutend hoch geschnittenen Holz-platten gezogen sind, da wie bei den mit dem Reiber gedruckten altenHolzschnitten die Formen durchschlagen, so dass man auf der Rück-seite dieselben erhaben gepresst sieht. Auf einem dieser Blätter istvon gleichzeitiger Hand, oder von Loy selbst geschrieben: ErasmusLoyen Probacion auf dij Eingebone prifjylegung. Der Künstler suchtenämlich um ein kaiserliches Privilegium nach, welches er auch erhielt,da auf allen uns vorliegenden Blättern durch einen Holzstempel auf-gedruckt zu lesen ist: Mit Ko; Kay : vnd Khu: May : etc. Freyhail :NU Nachzudrucken. Diese Holzschnitte sind sehr interessant, da sieden Künstler von einer vortheilhaften Seite kennen lehren. Sie stellenverschiedene Gebäude alten Stylcs vor, alle mit Rundbogen, Säulen undPfeilern, an die sogenannte toskanische Ordnung der späteren klassischenSchule Italiens erinnernd. Es lagen uns sieben Blätter mit Gebäudenvor, darunter zwei in gr. fol. Die anderen sind in kl. fol. gedruckt.Die architektonischen Formen sind sehr gut gezeichnet, und beurkundenauch einen in der Perspektive erfahrnen Künstler. Sie gehören un-streitig zu den ersten Versuchen im Farbendrucke. Die Lichtseitengibt das weisse Papier, und weiter sind die Gebäude mit ziegelrotherund schwarzer Farbe üherdruckt. Der gewürfelte Boden ist ebenfallstheils weiss und roth, theils schwarz und roth bedruckt. Durch dieseMethode lösen sich die Gebäude vom weissen -Papiergrunde sehr gutab. Ein anderes Blatt des E.,Loy kommt offenbar von einer Platte,welche zum Tapetendruck bestimmt war. Es enthält vier lange Reihenvon Schweifwerk im Renaissance-Styl mit Köpfen , Figuren, Thierenund Laubwerk. Der Grund ist roth gedruckt, die Verzierungen braun-gelb und die Lichter sind weiss in Papierfarbe. Dass es sich um Ta-peten handle, beweiset auch ein weiteres Blatt in qu. fol. Es enthältzwei Bordüren, welche auseinander geschnitten wurden. Diese 5 Z. 5 L.hohen Bordüren zeigen grotteske , in Laubwerk ausgehonde Figuren,wie sie mit einer Hand das Blattwerk erfassen , mit der anderen einMedaillon stützen. In diesen Medaillons sind antike Kaiserbüsten, undauch weibliche Brustbilder dargestellt. Die Bordüren haben überhaupteinen antiken Charakter, und sind auf ähnliche Weise farbig gedruckt,wie das Tapetenstück Einige dieser Holzschnitte tragen die oben ge-gebenen Initialen, theils farbig auf weissem, theils weiss auf farbigemGrunde. Von einer Supplik des Künstlers an den Rath von Ilegens-burg, Kunst- und Flattenpapier in den Handel bringen zu dürfen,spricht auch Heller in der Geschichte der Holzschneidekunst S. 126,er wusste aber nicht, welche Gattung von Papier darunter zu verstehensei. Heller behauptet nur, dass E. Loy in Helldunkel gearbeitet habe,es scheint ihm aber kein Blatt desselben zu Gesicht gekommen zu seyn.Von Clair-obscurs in der Weise eines Hugo da Carpi, Andrea Andreaniu. s. w. ist keine Rede. Loy geht im Farbendrucke allen anderenbekannten Künstlern dieser Categorie voran. Er war nach unsererAnsicht ein kaiserlich privilegirter Tapeten-Fabrikant, und die Blätter,welche uns vorlagen, scheinen die Proben gewesen zu seyn, die erdem Rathe der Stadt vorlegte, um ihm Kenntniss von seinem k. k.Privilegium zu geben.