Druckschrift 
2 (1860) CF - GI
Entstehung
Seite
116
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116 CL. Nr. 313-314.

mit malerischem Gefühle geführt. Nur an einigen Stellen sind Schatten-massen eingeschnitten, in der Art, wie man sie allenfalls mit der Kohlein die Zeichnung bringt. Man bemerkt durchaus eine Künstlerhand,welche durch einfache Linien, und wenige geistreiche Drucker dasBild in einem Gusse hinwirft. Wir möchten in diesem Blatte eineneigenhändigen Formschnitt des L. Cambiasi erkennen. Unten stehtdas erste Zeichen hoch geschnitten. H. 9 Z. 5 L. Br. 10 Z. 10 L.

Holzschnitte dieser Art hatte der Künstler selbst in Bister lavirt,so dass sie Originalzcichnungcu gleichen. Die schwarzen Abdrückekommen aber öfter vor, und er behandelte daher nur eine gewisseAnzahl nach Art der Helldunkel. In schwarzen und in lavirtenExemplaren findet man auch ein Blatt, welches in reicher Compositiondie Bekehrung des Saulus vorstellt. Dieser Holzschnitt ist einfachund skizzenhaft behandelt, sehr gut im Charakter der Original-Feder-zeichnung gegeben. Unten links ist das zweite Zeichen, nach rechtsstehen die Buchstaben GG. JV. FE., und /». S. F. (Pietro Stcfanoni Formis),gr. fol. Auf diesem Blatte deutete der Formschneider durch die Buch-staben GG. N. seinen Namen an. Cambiasi zeichnete ihm daher dasBild mit der Feder auf die Holzplatte, und es mag seyn, dass er dasMesser nicht angelegt habe. In dem Blatte mit dem Tode des Adonisist aber eine Kohlenzeichnung nachgeahmt, deren lleproducirung einemalerische Hand erforderte.

Es finden sich auch noch einige andere Holzschnitte, welche unsersWissens theils den Namen tragen, theils unbezeichnet sind, und inschwarzen wie in Bister lavirten Exemplaren vorkommen. Sie sindfolgenden Inhalts.

Die hl. Jungfrau in einer Landschaft das Kind umarmend, wäh-rend zwei Kinder Aepfel pflücken, fol.

Die hl. Familie und der kleine Johannes, fol.

Die hl. Familie mit einer Heiligen, fol.

Die Grablegung Christi, fol.

Der Triumph der Amphitrite auf Delphinen von Liebesgötternumgeben. Oben auf Wolken Juno, fol.

313. Leonardo Corona da Murano, der Sohn eines Miniaturmalersx . Micholo Corona, gehört zu den Nachahmern des Tintoretto

f\ 1 und des Tizian. Man findet historische Bilder von seinerII . Hand, deren einige mit dem Monogramme bezeichnet sind.VL4 Die grösste Zahl seiner Werke besteht aber in Copien nach-■—— •* Tizian. Er suchte in allen Palästen und Kirchen Venedig'»Zutritt, wo nur immer ein Gemälde dieses Meisters zu finden war.Viele Kunstliebhaber nahmen solche Copien für Original. Das Mono-gramm steht nur auf Bildern eigener Composition. Seine Lebenszeitfällt von 1561 — 1605.

314. Kraflt Lindenmeyer von Ulm soll nach Brulliot I. No. 1356»-x der Träger dieses Zeichens seyn. Einen Künstler dieses

/T^ Namens nennt nämlich der Pfarrer Weyermann von Wir-

\L/ fingen in Württemberg im Kunstblatt 1830 No. 64, und er

■*-——« will wissen, dass Lindenmeyer bis gegen 1490 Gemälde,Holzschnitte und Kupferstiche hinterlassen habe. Wir wollen glauben,dass ein Krafft Lindenmeyer in der zweiten Hälfte des 15. Jahr-hunderts in Ulm gelebt habe, Niemand aber nennt ein Werk mitdiesem Zeichen, welches dem erwähnten Ulmer Meister zugeschriebenwerden könnte. Es scheint auch wirklich nur aus dem Monogrammedos Lukas Cranach gebildet zu seyn, aber in modernerer Form, so