Druckschrift 
4 (1871) IMM - SH
Entstehung
Seite
244
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244 L. Nr. 889.

Er hinterliess eine ziemliche Anzahl von Gemälden, welche im Künstler-Lcxicon, in G. Rathgeber's Annalcn der niederländischen Malerei etc.Gotha 1844, und schon früher in Messager des sciences. Gand tdbtp, :t'i!t, beschrieben sind. Auf mehreren Gemälden kommt der Buch-stabe L vor, sowie immer auf Kupferstichen und Holzschnitten. Lukasvon Leyden scheint sich die längste Zeit mit der Kupferstechcrkunstbeschäftigt zu haben, und malte in den ersten Jahren nur in Wasser-farben, vielleicht auch auf Glas, da sein Vater Glasmaler war. A.Dürer traf ihn 1320 auf seiner Reise in Amsterdam und nennt ihnin seinem Tagebuch nur Kupferstecher, und beide Meister tauschtenihre Blätter aus. Dürer sah also keine Gemälde von dem MeisterLukas, dem kleinen Manne, wie er ihn nennt. Bartsch VII. p. 331 ff.beschreibt 174 Kupferstiche, welche auch im Künstler-Lexicon aufge-zählt sind. In den Kupferstichen liegt der Bildungsgang des Künstlersvor Augen, und sie sind daher verschieden. In den Compositioucnseiner ersten Zeit herrscht noch der Einlluss der alten Schulen desLandes, und sie sind mit grosser Zartheit gestochen. Die Blätter seinerzweiten Manier sind nicht minder fein behandelt, der Künstler ent-wickelt aber grössere Freiheit, und die Abstufung der Gegenständenach ihrer Entfernung ist zu bewundern. In den Figuren herrschtCharakter und Leben, doch steigerte er sie manchmal zur Carrikatur.In seiner letzten Zeit wollte er dem Marc, Anton nachahmen und sichzum Ideal erheben, allein es fehlte ihm der Sinn für das Erhabene,und auch seine Zeichnung hat die Reinheit der Schule des MarcAnton nicht. Die Blätter aus der letzten Periode sind in allem breiterbehandelt, sie genügen aber weniger als die aus der ersteren Zeit.

Dann findet man Holzschnitte mit dem Buchstaben L, deren Bartsch17 beschreibt. Nach der Ansicht dieses Schriftstellers fertigte Lukasvon Leyden nur die Zeichnung auf die Holzplatten, und Passavantstimmt ihm hierin bei mit der Bemerkung, dass gar kein Grund vor-handen sei, dem Meister selbst einen Formschnitt zu vindiciren. Einesolche Negation ist sehr bequem, wir glauben aber im Gegenthcile,dass Meister Lukas den grollten Theil der Platten, wenn nicht alleselbst geschnitten habe. Zeichnung und Schnitt ist durchaus gleich,und es ist nicht abgethan, wenn Bartsch sagt, dass er einen sehr ge-schickten Formschneider gehabt habe. Lukas von Leyden war zwarMaler, und soll somit nach Bartsch und Passavant nicht in Holz ge-schnitten haben, er war aber noch mehr Kupferstecher, und konntedaher das Schneidmesser und den Grabstichel leichter handhaben, alsder Maler von Profession. Der älteste Holzschnitt unsers Meistersist sicher das äusserst seltene Bildniss des Huyg Jacobsz mit dem

Buchstaben L im Grunde und der Inschrift: IACOB'SOE v Leid. Esist diess die eigenhändige Arbeit des jungen Künstlers, welcher alsKnabe sicher keinen Forrnschneider in Diensten hatte. Man kann imGegentheil annehmen, dass er fortan abwechslungsweise in Kupfergestochen und. in Holz geschnitten habe. R. Wcigel gibt in seinemWerke: Holzschnitte berühmter Meister —, IX. Heft, den von BartschNo. 11 beschriebenen Holzschnitt mit Ahab und Isebel in Copie, underkennt darin mit Recht die Hand des Lucas Jacobsz, wenn das Blattauch kein Zeichen trägt.

W. Y. Ottley kam auf die Idee, dass Lukas von Leyden im Holz-schnitte zwei Folgen von Blättern zu geben beabsichtigt habe, welchein beiden Reihen lediglich Beispiele von der List oder der Vertühr-ungssucht der Weiber zum Thema haben. Sotzmann geht im deutschenKunstblatt 18!>l S. 303 näher darauf ein, und unterscheidet die Folgennach der Grösse. Die grössere von IS Z. 3 L. Höhe und 10 Z. 10 L.