1082 IM. Nr. 2803.
oben fehlt. Einige Initialen des Textes sind wieder von bedeutenderGrösse, — mit den Darstellungen der Verkündigung, der Anbetung derHirten und der Könige, der hl. Jungfrau mit dem Kinde vor Simeon,und eines vor Nonnen die Messe celebrirenden Priesters, Alles meister-haft und in grosser Farbenpracht.
Vor dem Canon ist eine grosse Miniatur mit Christus am Kreuzezwischen den Mördern und den heiligen Frauen in einer Einfassung.Gegenüber ist ein ebenso grosses Blatt mit dem jüngsten Gerichte.Oben erscheint der Wcltrichter in einer Feuerglorie, welche von Che-rubim begrenzt ist. Rechts und links sind Heilige mit Maria undJohannes, links unten ruft der Engel die Todten aus den Gräbern,und rechts öffnet sich der Höllenrachen mit Teufeln. Dann folgengrosse Initialen mit Bildern: ein vor Weltleuten die Messe lesenderPriester, Christus und Gott Vater mit der Taube des hl. Geistes vordem Buche der frohen Botschaft, das Abendmahl etc. Auch einegrössere prächtig gemalte Darstellung des Pfingstfestes mit der imVorgrundc knicenden hl. Jungfrau ist beigegeben. Der Schild mit ver-bundenen Buchstaben / M, aber letztere einfacher mit geraden Linien,wiederholt sich in der Mitte der Verzierung eines Blattes, auf welchemim Initial ein Heiliger im Kessel siedet, und die aus der Hostie her-vorkommende kleine Figur des Heilandes mit ausgebreiteten Armenanbetet. Die Verzierung der Handschrift ist in gelohnter Weise biszum Endo durchgeführt, sowohl am Rande, als in den grossen undkleinen Initialen in Farben und Gold. Besonders schön sind diegrossen Buchstaben mit Petrus- und Paulus, der Himmelfahrt derMaria im blauen Mantel von Engeln umgeben , mehreren stehendenHeiligen u. s. w. Die Enthauptung der hl. Catharina kommt öftervor, immer mit derselben Physiognomie. In der unteren Randverzierungsind zwei Nonnen rechts und links von dem aus dem Schwerte, demRade, der Palme und der Krone gebildeten Wappen. Auch in kleinerenInitialen kommen Figuren vor.
Den Namen des Schreibers und des Miniaturmalers findet man imBuche nicht angegeben. Am p]nde ist das untere Drittel des Pcrga-mentblattes abgeschnitten. Wenn Schrift vorhanden war, wie sicherwarten lässt, so gab sie sicher entweder über den Besteller desWerkes und auch über den Künstler oder Schreiber Aufschluss. Esist auch nicht bekannt, wo Graf Franz Potocki das Missale erworbenhat. Er bekleidete eine hoho Stelle am Hofe und in der russischenArmee, und lebte mehrere Jahre in St. Petersburg, der frühere Besitzerwollte in den Miniaturen die Hand des Hans llemling erkennen, undman hielt das Missale für jenes, welches die Königin Maria de Medicisbesass und nach Russland gekommen seyn soll. Spätere Händler undtheils auch vorgebliche Kunstkenner glaubten edenfalls mit mehr oderweniger Sicherheit die Miniaturen dem Johannes Memling zuschreibenzu müssen, aber wahrscheinlich nur, weil man diesen Künstler jetzthäufig Memling statt llemling nennt, und daher die Initialen IM keinegezwungene Erklärung zu finden scheinen. Wir glauben ebenfalls, dassder Miniator durch diese Buchstaben seinen Namen angedeutet habe,nur konnten wir in diesem Missale seinen Namen nicht entdecken. Wirhalten den Künstler für einen Franzosen ersten Ranges. In Parislebten in der zwoiten Hälfte des IS. Jahrhunderts tüchtige Miniatur-maler, und ihnen verdanken wir die vielen schönen Gebetbücher (Heures)mit reichem Bildersclimuck in Metall- und Holzschnitt. Vgl. auchden folgenden Artikel.