HL. Nr. 1200. 449
Sie ist blau lavirt auf schwarzem Grunde, mit der Feder umrissenund weiss gehöht, 4. R. Weigel beschreibt seine Zeichnungen inB. v. Rumohr's Schrift: Hans Holbein der jüngere in seinem Ver-hältniss zum deutschen Formschnittwesen, 1836 S. 110. Er nimmtsie für Hans Holbein in Anspruch, und daher haben wir derselbenauch im Artikel über II. Holbein S. 461 erwähnt. Passavant, Peintre-graveur 111. p. 337 gesteht diesen Zeichnungen zwar eine gewisse Ana-logie mit den Produktionen Holbein's zu, vermisst aber jene Lebendigkeitund jenes Naturgefühl, welches die Werke dieses Meisters charakterisirt.Passavant scheint die genannten Zeichnungen unserm Monogrammistenzuschreiben zu wollen, könnte sich aber dennoch irren, da die anderenZeichnungen und die Holzschnitte mit dem Monogramme an Holbeinund Lützelburger nur entfernt erinnern.
Ein Monogrammist HL begegnet uns auch im Dome zu Breisachmit einem grossen Altarschrein. Die Mitte desselben enthält in reicherdem Altarbilde des Hans Baidung Grien im Freiburger Dom verwandterComposition die Krönung Maria in überlebensgrossen Verhältnissen.Ein Engel hält ein Täfelchen mit dem Monogramm HL, und auf demPsalterium eines anderen steht die Jahrzahl 1526. In dem einenFlügel sind die gleichgrossen Standbilder der Heiligen Gervasius undProtasius, in dem anderen der Heiligen Stephan und Laurentius. Unterden mittleren Vorstellungen sind die vier Evangelisten, und zu ihrenSeiten in Oel gemalt ein Ecce homo und eine Mater dolorosa. Diefünf oberen Aufsätze, deren mittlerer bis an die Decke reicht, sindim spätgothischen Style ausgeführt. In zwei Nischen des höchstenAufsatzes ist oben der Heiland mit der Dornenkrone, unten Anna mitMaria und dem Kinde, und weiter sind andere Figuren vertheilt. DieArbeit ist ungleich, am meisten zeichnen sich die Maria und die Evan-gelisten aus. Eine genaue Beschreibung dieses Werkes gibt ProfessorGrieshaber im Kunstblatt 1833 No. 9.
Kann nun dieser Altarschrein auch von Hans Leu herrühren, istnur die Zeichnung zu demselben, und sind nur die Malereien von ihm ?Diese Frage können wir nicht beantworten. Hans Leu ist nur alsMaler genannt, und als solcher kann er auch Zeichnungen hinter-lassen haben. Die alten Maler übernahmen bei Herstellung von Altärenauch die Arbeit des Schnitzwerkes, theils selbst, thcils mit Beihülfevon Bildschnitzern von Profession, und die Ungleichheit der Arbeitdes genannten Altarschreines deutet auf mehrere Hände. Der Artikelhat einmal einen Namen, und wer einen sicherern weiss, streiche denHans Leu dem Bildhauer gegenüber. Als Maler wird man ihn nichtleicht abweisen können, es fragt sich aber noch, wie lange er thätig war.Leu war ein Anhänger des Ulrich Zwingli, und zuletzt so fanatisch,dass er kein Heiligenbild mehr malen wollte. Wenn er der Mono-grammist HL des Altarschreines im Münster zu Breisach ist, so hatteihn 1826 der Paroxysmus noch nicht befallen, wir glauben aber eher,dass das genannte Altarwerk von H. Leu nicht herrühre, und dass erauch auf die erwähnten Zeichnungen von 1525 und 1526 keinen An-spruch habe, welche demnach nur dem Hans Holbein zufallen könnten,wenn auch Passavant dagegen ist. Dieser Schriftsteller bringt auchden Hans Leu in unsern Artikel, und es ist immerhin sehr wahr-scheinlich, dass das Gemälde mit Orpheus, die Zeichnungen älterenDatums, und dann auch die Zeichnungen zu den Holzschnitten vonihm herrühren. Als Anhänger Zwingli's müssen wir den Meister Leuzu den Bilderstürmern rechnen. In Zürich wurden nämlich 1523, nach-dem Zwingli's Glaubensartikel angenommen waren, alle Bilder aus denKirchen entfernt, und am Aschermittwoch 1529 gingen sie zu Basel
Monogrammisten Bd. III, 29