Druckschrift 
3 (1863) GK - IML
Entstehung
Seite
388
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388 HH. Nr. 1038.

glauben , dass sich Holbein 1S24 wieder an eine Arbeit gewagt habe,die ihm früher misslungen, und auch 1S24 noch nicht vollkommenpreiswürdig war. Nach B. v. Rumohr umschliesst die Wiederholungauch folgenden Titel: Des gantzen Landt Africe , ein Gemeine Be-schreibung. XXV. In diesem Zustande kommt die Bordüre in S.Münster'sCosmographey vor, und auf der Rückseite ist die Karte von Africa &c.Nach der Aeusserung des Baron v. Rumohr möchte man ein anderesWerk vermuthen.

Nachträge zu den Holzschnitten in der erwähnten Schrift vonB. v. Rumohr über Hans Holbein den jüngeren.

1) Das Bildniss des englischen Dichters Thomas Wyatt, Büste inProfil nach rechts in Medaillon, fast nur Umriss. Durchmesser 1 Z. 8 L.

Ueber dieses Bildniss handelt der Legationsrath Detmold in einemSchreiben an Rudolph Weigel in Naurnann's Archiv II. S. 136. Manbetrachtet es als Originalschnitt Holbein's für ein Gelegenheitsgedichtvon John Leland: Naeniae in mortem Thomae Viati equitis incom-parabilis. Joanne Lelando anliquario authore. Londini (ReginaldWolfe) anno M.D.XLII. Sechs Blätter, kl. 4. Das Bildniss ist aufder Rückseite des Titels, und über demselben steht folgendes Epigramm:In effigiem Thomae Viati.Holbenus nitida pingengi maximus arteEffigiem expressit graphice: sed nullus ApellesExprimet ingenium felix animumque Viati.

Wie man auch das „graphice expressit u interpretiren mag, sagtHerr v. Detmold, mag man es nur auf die „Zeichnung" oder auchgeradezu auf den „Schnitt" selbst beziehen, jedenfalls haben wir hiereine Arbeit Holbein's in beglaubigster Form. Allein der Künstler er-scheint darin nur als ein geistreicher tüchtiger Zeichnor, aber als einungeübter Formschneider. Die Schwierigkeiten sind überall nicht über-wunden, sondern vermieden, die ganze Technik zeigt mehr von Gefühlals Verständniss. Im Archiv gibt R. Weigel ein Facsimile des Bild-nisses bei, welches das Gesagte nicht allein bestätigt, sondern auchden unabweisbaren Zweifel erregt, ob Holbein als Maler im Standewar, jene Meisterwerke des Formschnittes zu liefern, welche ihm alseigenhändige Arbeiten nachgerühmt werden, wie der Todtentanz (1338),die alttestamentarischen Bilder (Historiarum veleris Instrumenti icones.Lugduni i530), das Todtentanz-Alphabet u. s. w. Dass Holbein dasBildniss des Dichters für das Trauergedicht des John Leland gezeichnethabe, unterliegt keinem Zweifel, und man kann auch annehmen, dassselbst der Schnitt von ihm herrühre, obgleich aus dem „Expressitgraphice" diess nicht nothwendiger Weise zu schliessen ist. So vielist aber gewiss: Hat Holbein im Jahre 1541 oder t!>42 als Form-schneider nicht mehr geleistet, als dieses Bildniss zeigt, so hat er diegenannten Meisterwerke nicht geschnitten. Und rührt dieses Bildnisswirklich von seiner Hand her, so war er wenigstens im Stande, seineFormschneider zu unterstützen, ihnen in den Umrissen behülflich zuseyn, und selbst in den Platten nachzubessern. Die Gegner der Eigen-händigkeit der s. g. Malerformschnitte werden aus dem Bildnisse desThomas Wyatt ihre Consequenzen ziehen, aber sie sollen bedenken,dass der fragliche Medaillon in seiner Flüchtigkeit, und wie es scheintabsichtlichen Vermeidung aller Schwierigkeiten dennoch einen Künstlerverräth, welcher bei fieissigerer Durchführung die Bilder des oben er-wähnten Catechismus des Erzbischofs Cranmer u. s. w. in Holz schneidenkonnte. Der Todtentanz ist und bleibt in xylographischer Hinsicht einGegenstand der Controverse. Vgl. auch Nr. IS (Vignette des Reinhold Wolfe).