Druckschrift 
3 (1863) GK - IML
Entstehung
Seite
239
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HB. Nr. 708. 239

Ein solcher entfernte sich 1810 ohne sein Wissen, und die Arhcit kamins Stocken. Unter dem 17. Novemher desselben Jahres richtete Peu-tinger an den Kaiser ein Schreiben (Herberger, Note 94), nnd beklagtsich über den heillosen Uebcrlänt'cr, fugt aber tröstend bei, dass ersich alle Mühe geben wolle, am ihn zurückzubringen , oder einenanderen Formschneider zu finden, der die Arbeit ausmache. Dannfolgt im Briefe die merkwürdige Stelle: Der maller alliie ist ganzqescliickt darzu. Dieser Maler kann 1810 niemand Anderer seyn, alsH. Burgkmair, und man muss annehmen, dass er Geschick zum Form-schneiden hatte. Ch. Schnchardt spricht sich im Deutschen Kunstblatt1881 No. !>2 dahin entschieden aus , dagegen aber tritt im Kunstblatt1852 S. 'i'AA Herr v. Sotzmann in Berlin auf, und interpretirt die frag-liche Stelle, dass der Maler ganz geschickt war, einen tauglichen Ar-beiter zu verschaffen. Kino solche Erklärung kann nur ein erbitterterGegner der Eigenhändigkeit von Malerformschnittcn geben, sie wirdaber die Annahme nicht abschwächen, dass bis auf woiters der Maler,wohl Burgkmair, sich an die Arbeit mache, oder wie Pcutinger sagt:Die Arbeit ausmach. Und warum sollte sich denn Burgkmair umden Formschnitt nicht bekümmert hüben? Es war der Auftrag desKaisers, die Zeichnungen und Schnitte für den Weisskunig, den Tcur-dank die Genealogien &c. zu fertigen, und dem Zeichner musste daherdarum zu thun seyn, seine Zeichnungen getreu und zur Zufriedenheitdes Kaisers geschnitten zu sehen. Im Jahre liJIO war noch Noth antüchtigen Fornischneidcrn, und Burgkmair musste nothwendig mit dieserTechnik vertraut seyn, um die Arbeiter gehörig anzuleiten. Später,schon 1IH2 stand Jobst Dienecker, gewöhnlich J. de Necker oder De-neeker genannt, an der Spitze einer xylographischen Anstalt, und esfehlte nicht mehr an tüchtigen Formschneidern. Im Jahre 1812 trittauch Hans Schäuffelein als Zeichner auf, um die kaiserlichen Werkerasch zu fördern.

Und wenn nun, wie anzunehmen, Burgkmair selbst in der Technikdes Formschnittes geübt war, warum sollte er denn nicht später cben-t'nlls nach Laune und Müsse das Schneidmesser zur Hand genommenhaben ? R. Wcigel gibt in seinem Prachtwerke: Hvhschnitte be-rühmter Meister etc. Heft XIV. etliche Copicn, und darunter jene desBildnisses des berühmten Jakob Fugger, welches Burgkmair gezeichnetoder gemalt hatte. Es ist dasselbe in einem Holzschnitte von zweiPlatten vorhanden, und Weigel hält es für eigenhändige Arbeit Burgk-mair's. Es spricht die Auffassung und Durchbildung für ihn, und dieStrenge der Zeichnung kann nur eine malerische Hand im Holze fest-halten. Die Arbeit des Clair-obscur ist abweichend von der gewöhn-lichen. Beide Platten sind Strichplatten, die schwarze wie die rothe.Den Druck besorgte wohl Jost Dienecker, da man seinen Namen aufgewählten Cktir-obscurs von Burgkmair findet. Dienecker war sichernicht der Künstler, der ein solches Portrait hatte schneiden können.Weigel nimmt ihn nur für einen kunstreichen Drucker von Holz-stöcken , obgleich er sich auf in- und ausländischen HolzschnittenFormschneider nennt. . , ..

Die anderen Holzschnitte, welche R. Wcigel für eigenhändigeArbeiten erklärt, erwähnen wir unten unter den einzelnen Jilatterndes Meistors, und hier bemerken wir nur noch, dass die Initialen //. li.auch einen anderen Künstler andeuten können, ausser dem lungerenHans Burgkmair auch den Hans lbildung Grien, und zwar auf Blatte«ans der Zeit von 1810. Hans Baidung hat den grossten Antheil anden Illustrationen der Schriften des Dr. (-aller von Knysersperg, derenauch in Augsburg erschienen, nicht allein bei Hans Grümnger in