Druckschrift 
3 (1863) GK - IML
Entstehung
Seite
237
Einzelbild herunterladen
 

&

HB. Nr. 708. 237

708. Hans Burgkmair. auch Burgmair, Malnr und Formschneider,wird in den meisten Werken über Kunst undKünstler als Schüler A. Dürers bezeichnet, istaber um kaum zwei Jahre jünger, als dieserMeistor, und ein durchaus eigentümlicher Künst-ler in der Richtung der schwabischen Schule,welche von jener des A. Dürer sehr verschiedenist. Man nimmt ziemlich allgemein an, dassBurgkmair 1473 zu Augsburg geboren sei, nachden ältesten Bildnissen desselben stellt es siehaber anders heraus. Ein meisterhafter Medaillonvon 2 Z. 7 L. Durchmesser hat die Umschrift:Joann *■ Uuri/kmair * Avi/vstani ▲ S * Caes *.Maiestat * A * Pictvris * , und die innere Schrift: Anno. M.Ü.XVJH.Aetalis Sue XLIIII. In der k. k. Gallcrie zu Wien ist das Bildnissdes Künstlers mit jenem seiner Frau von 1838, und da steht auf einemZettel: Joann Burt/kmaier Maler LVt Jar all. Nach dem Medaillonwftre also der Künstler 1474, nach dem eigenhändigen Spiegelbilds inWien 1472 geboren. Uebcr das Todesjahr Burgkinair's herrschenaber sehr abweichende Angaben, indem 1817, 1829, 1839, 1880 und1889 als dasselbe angegeben werden. Mau hat nämlich nicht gewusst,dass es drei Burgkmair gibt, Thomas, der Grossvatcr, starb nach demGerechtigkeitsbuche der Stadt Augsburg 1823, Hans, dessen Sohn 1831,und Hans, der Sohn des gleichnamigen Meisters, ist nicht eingetragen,da das Zunftbuch nur bis 1848 die Todesanzeige gibt. Der jüngere HansBurgkmair lebte noch 1889. Er zeichnete und malte mit seinem Vaterein Turnierbuch, welches zweimal vorkommt, nämlich im k. Kupferstich-Cabinet zu München, und im Besitze des Fürsten von Hohcnzollern-Sigmaringen. Das Prachtwerk des Letzteren hat Professor J. v. Hcfner-Alteneck 1882 ff- im Kupferstiche colorirt herausgegeben. Das Werkim Cabinct zu München war im Besitze des Herzogs Wilhelm IV. vonBayern, und trägt unter dem bayerischen Wappen auf dem Titelblattedie Jahrzahl 1&29. Es zeigt im Vergleiche mit dem Exemplare desFürsten von Ilohcnzollem-Sigmaringcn Veränderung in der Farbe undweniger malerische Freiheit. Die Dcdication beweist, dass beide HansBurgkmair die Bearbeitung unternommen hatten, Sie lautet:

Dem diirclileuchligen hoch geh ornen Fürsten vnd Herren HerrenWilhelm pfallzgranen bey Rein, Herzogen in obern vnd niederBayrn etc. seinem i/nedigen Herren dise weylaiid kniser Maxi-milians hochloblichster gedechlnus verordnet vnd angeben gesläche,tnnd Rennspill durch Hannsen liurckmair den elftem maller zuAuqspurq erstlich in cerzaiclinus genomen gemacht, rund In disswerk stricht, hat Hanns Burckmayr der Jünger tntertheniglich zu-gestellt vnd Überantwort, deniiselben sein fürstlichen gnaden siehdaneben diemültlich thul bevelchen.

Das Turnierbuch im Besitze des Fanten von Ilohenzollern stammtaus späterer Zeit; denn auf S. 37 heginnen die Darstellungen des„Gestechs übers Dill" (Barriere) Wr Verherrlichung der am !>. .lanner1883 in Augsburg gehaltenen Hochzeit des (irafen Jakob von Monttortmit Catharina Fugger. Hans Burgkmai» jun. nennt sich hier ausdrück-lich als Urheber des Werkes durch die Beischrift: wie ich» HansBurqkmair abgemalt und vertunlehnet hab. C. Becker schhesst beider Anzeige des Prachtwerke« im Deutschen Kunstblatt 1880 S. 314daraus, dass 11. Burgkmair noch 1883 gelebt habe, während P. y. Stellen(Kunst- und Handwcrksgeschichtc S. 270) seine Spur nur bis 1880 ver-folgt hätte. An einen jüngeren Hans Burgkmair dachte Becker uicht,