Druckschrift 
Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
Seite
590
Einzelbild herunterladen
 

geschäft stunden- und tagweise mietet. Jener, der Chauffeur,auch mit Andeutungen von Herrschaftlichkeit in seiner Tracht,stand rauchend neben seinem Wagen und lüftete, als wir vor-übergingen, seine Schirmmütze mit breitem Lächeln,, wahrschein-lich im Gedenken an die Spässe des wunderlichen Gastes, dener uns gebracht. Im Haustor trat Frau Schweigestill unsentgegen, eine Besuchskarte in der Hand und mit erschrockengedämpfter Stimme redend. Ein "Weltmann" sei da, teiltesie uns mit, - das Wort hatte, besonders da es geflüstertwurde, als rasche Bestimmung eines Menschen, den man nureben eingelassen, etwas wunderlich Geisterhaftes und Sibylli-nisches für mich. Vielleicht sollte es zur Erläuterungder anspruchsvollen Bezeichnung dienen, dass Prau Else denWartenden gleich darauf einen "spinnerten Uhu" nannte.

"Scher Madam" habe er ihr gesagt, dann aber "petite Maman",und die Clementine habe er in die Wange gezwickt. Sie habedas Kind vorläufig, bis der Weltmann weg sei, in ihrem Zim-mer eingeschlossen. Wegschicken habe sie ihn denn dochnicht können, da er im Auto von München gekommen sei. Erwarte im grossen Wohnzimmer.

Mit bedenklichen Mienen reichten wir einander die Karte,die über ihren Träger alle wünschenswerte Auskunft- gab.

"Saul Piteiberg. Arrangements musicaux. Repräsentant denombreux artistes prominents." Ich war froh, zu AdriansBedeckung zur Stelle zu sein. Ungern dachte ich ihn mirallein diesem "Repräsentanten" ausgeliefert. Wir begabenuns zum Nike-Saal.

Pitelberg stand schon in der Nähe der Tür, und obgleichAdrian mich zuerst eintreten liess, richtete sich die ganzeAufmerksamkeit des Mannes sogleich auf jenen: nach einemflüchtigen Blick durch seine Hornbrille auf mich, bog ersogar seinen feisten Oberkörper zur Seite, um hinter mir nachdemjenigen auszulugen, dessentwegen er sich in die Unkosten

590