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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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Ines Institoris, in dichtem Schwarz, nahm anstelle ihrerMutter, die sich nicht sehen liess, das Hälschen schräg vor-gestreckt, in zarter Würde die Beileidsbezeugungen entgegen.Ich konnte nicht umhin, in dem tragischen Ausgang des Lebens-versuchs ihrer Schwester ein böses Omen für ihr eigenes Ge-schick zu sehen. Übrigens hatte ich im Gespräch mit ihr eherden Eindruck, dass sie Clarissa beneidete, als dass sie siebetrauerte. Die Verhältnisse ihres Gatten litten fortschrei-tend unter dem von gewissen Kreisen gewollten und herbeige-führten Verfall der Währung. Die Brustwehr des Luxus, die-ser Schutz vor dem Leben, drohte der Ängstlichen zu schwin-den, und schon fragte sie sich, ob man die reiche Wohnungam Englischen Garten werde halten können. Was Rudi Schwerdt-feger betraf, so hatte er zwar Clarissa, der guten Kamera-din, die letzte Ehre erwiesen, aber den Friedhof so bald wiemöglich wieder verlassen - nachdem er bei der nächsten Leid-tragenden zu einer Kondolenz vorgesprochen hatte, auf derenformelle Knappheit ich Adrian aufmerksam machte.

Es war wohl das erste Mal, dass Ines den Geliebten wieder-sah, seit er ihr Verhältnis gelöst hatte, - ich fürchte:mit einiger Brutalität, denn es "in netter Weise" zu tun,war bei der verzweifelten Zähigkeit, mit der sie sich daranklammerte, wohl nicht gut möglich gewesen. Wie sie da nebenihrem zierlichen Gemahl am Grabe der Schwester stand, warsie eine Verlassene und aller Mutmassung nach entsetzlichunglücklich. Es hatte sich aber, gewissermassen zu Trostund Ersatz, ein kleiner Verband von Frauen um sie zusammen-geschlossen, dessen Mitglieder denn auch zum Teil mehr umihretwillen, als zu Clarissas Ehren, der Trauerfeier anwohn-ten. Zu dieser kleinen und festen Gruppe, Genossenschaft,Körperschaft, diesem Freundschaftsklub, oder wie ich michausdrücken soll, gehörte die exotische Natalia Knöterichals Inessens nächste Vertraute; es gehörte aber auch dazu