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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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Assessor-Examen war er gediehen, sondern hatte sich der Litera-tur ergeben und lieber auf jede geldliche Versorgung von zuHause verzichtet, als dass er den heissen, aber ihm widrigenWünschen des Vaters genügt hätte. Er schrieb Gedichte infreien Rhythmen, kritische Aufsätze und kurze Erzählungenin reinlicher Prosa, hatte aber, teils unter wirtschaftlichemZwang, teils auch, weil seine Produktion nicht eben übermäch-tig sprudelte, seine Tätigkeit vorwiegend auf das Gebiet derÜbersetzung, namentlich aus seiner Lieblingssprache, demEnglischen, verlegt und bediente nicht nur mehrere Verlagemit-Verdeutschungen englischer und amerikanischer Unterhaltungs-belletristik, sondern liess sich auch von einem MünchenerLuxus- und Kuriositätenverlage mit der Übersetzung älterenenglischen Schrifttums, der dramatischen Moralitäten Skel-tons, einiger Stücke von Pletcher und Webster, gewisser Lehr-gedichte von Pope beauftragen und besorgte vorzügliche deut-sche Ausgaben von Swift und Richardson. Dergleichen Werkeversah er mit wohlfundierten Einleitungen und betreute dieÜbertragung mit viel Gewissenhaftigkeit, Stilgefühl und Ge-schmack, bis zur Versessenheit bemüht um die Genauigkeit derWiedergabe, das sich Decken des sprachlichen Ausdrucks undmehr und mehr den intriguierenden Reizen und Mühen der Repro-duktion verfallend. Dies nun aber brachte eine Seelenlagemit sich, die, auf anderer Ebene, derjenigen seines Vatersglich. Denn er fühlte sich zum selbst hervorbringendenSchriftsteller geboren und sprach bitter von dem notgedrun-genen Dienst an fremdem Gut, der ihn verzehrte, und durchden er sich auf eine ihn kränkende Weise abgestempelt fand.Dichter wollte er sein, war es auch seiner Überzeugungnach , und dass er um des leidigen Broterwerbes willen denvermittelnden Literaten abgeben musste, stimmte ihn abspre-chend kritisch gegen die Beiträge anderer und war Gegenstandseiner täglichen Klage. "Wenn ich bloss Zeit hätte”, pflegte

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