gefühl sind gleich gross, indem ich Gedanken in Worte zukleiden suche, die nicht primär meine eigenen sind, sonderndie mir durch meine Freundschaft für Adrian eingeflösstwurden. Von Mangel an Naivität möchte ich nicht sprechen,denn zuletzt liegt Naivität dem Sein selbst, allem Sein,auch dem bewusstesten und kompliziertesten zum Grunde. Derfast unschlichtbare Konflikt zwischen der Hemmung und demproduktiven Antriebe mitgeborenen Genies, zwischen Keuschheitund Leidenschaft, - das eben ist die Naivität, aus der einsolches Künstlertum lebt, der Boden für das schwierig-charakteristische Wachstum seines Werkes; und das unbewussteTrachten der "Begabung" dem hervorbringenden Impuls dasnotwendige knappe Übergewicht zu verschaffen über die Hem-mungen des Spottes, des Hochmutes, der intellektuellen Scham,- dieses instinktive Trachten regt sich gewiss schon und wirdbestimmend in dem Augenblick, wo die rein handwerklichenVorstudien zur Kunstübung sich mit ersten eigenen, wenn auchselbst noch völlig vorläufigen und vorbereitenden Gestal-tungsversuchen zu verbinden anfangen.
XIX
Ich spreche von diesem Augenblick, indem ich, nicht ohneErbeben, nicht ohne, dass sich mir das Herz zusammenkrampft,auf das verhängnisvolle Geschehnis zu sprechen komme, daseintrat ungefähr ein Jahr nachdem ich in Naumburg den ange-führten Brief Adrians empfangen, etwas mehr als ein Jahrnach seiner Ankunft in Leipzig und jener ersten Besichtigungder Stadt, von der er mir in dem Brief berichtete, - alsonicht lange bevor ich, vom Militär entlassen, wieder zuihm stiess und ihn äusserlich unverändert, in Wahrheit aber
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