devenir fou." Alles Mögliche für den Wagner der Malerei!
Aber nicht ganz Weniges gibts ja bei Chopin, was Wagner,nicht nur harmonisch, sondern im Allgemein-Seelischen, mehrals antizipiert, nämlich gleich überholt. Kimm das cis-Moll-Notturno opus 27 Ko. 2 und den Zwiegesang, der angeht nachder enharmonischen Vertauschung von cis- mit Des-dur. Dasübertrifft an desperatem Wohlklang alle Tristan-Orgien -und zwar in klavieristischer Intimität, nicht als Hauptschlachtder Wollust und ohne das Corridahafte einer in der Verderbt-heit robusten Theatermystik. Kimm vor allem auch sein iro-nisches Verhältnis zur Tonalität, das Vexatorische, Vorent-haltende, Verleugnende, Schwebende, die Verspottung desVorzeichens. Es geht weit, belustigend und ergreifend weit..."
Mit dem Ausruf "Ecce epistola!" schliesst der Brief. Hin-zugefügt ist: "Dass du dies hier sofort vernichtest, ver-steht sich." Die Unterschrift ist ein Initial, dasjenigedes Familiennamens, das L, nicht das A. -
XVII
Der kategorischen Weisung, diesen Brief zu vernichten,bin ich nicht gefolgt - wer will es einer Freundschaft ver-argen, welche das darin auf Delacroix' Freundschaft für Cho-pin gemünzte Beiwort "tief aufmerksam" für sich in Anspruchnehmen darf? Ich gehorchte der Zumutung anfangs darum nicht,weil ich das Bedürfnis hatte, das zuerst nur rasch durch-flogene Schriftstück wieder und wieder - nicht sowohl zulesen, als es stilkritisch und psychologisch zu studieren,und mit der Zeit schien mir dann der Augenblick, es zu zer-stören, versäumt; ich lernte, es als ein Dokument zu betrach-ten, von dem der Vernichtungsbefehl ein Bestandteil war,