für mich, sondern solls eher machen, wie Vater Haydn, derüberall keinen praeceptor gehabt, sondern sich den Gradusad Parnassum von Fux und etwelche Musik von damals, insonder-heit des Hamburger Bach, verschafft und sich daraus brav dasHandwerk erübt. Unter uns gesagt, macht die Harmonielehremir viel Gähnens, da ich doch bei dem Kontrapunkt sofortlebendig werde, nicht genug kurtzweiliger Bossen auf diesemZauberfelde anstellen kann, mit wohl-lustbarlicher Versessen-heit die nicht endenden Probleme löse und schon einen ganzenStapel schnurriger Canon- und Fugen-Studien zusammengeschrie-ben, auch mir vom Meister manches Lob dafür geholt habe.
Das ist produktive, Phantasie und Erfindung aufrufende Arbeit,da das Dominospiel mit den Akkorden ohne Thema meim Bedün-ken nach der Welt weder zu sieden noch zu braten taugt. Soll-te man nicht alldas von Vorhalten, Durchgangsnoten, Modula-tion, Vorbereitungen und Auflösungen viel besser in praxi,vom Hören, Erfahren und Selbstfinden lernen, denn aus dem Buch?Überhaupt nun aber und per aversionem ist*s eine Narrheit,die mechanische Trennung von Kontrapunkt und Harmonie, sinte-mal sie einander so unlöslich durchdringen, dass man nichtjedes für sich, sondern nur das Ganze, nämlich Musik lehrenkann, - sofern man es kann. Kretzschmar gibt mirs auch zuund sagt selbst, dass man von allem Anfang der Rolle gerechtwerden soll, die das Melodische bei der Entsteheung guterVerbindungen spielt. Die meisten Dissonanzen, sagt er, sindgewiss eher durch das Melodische in die Harmonie gelangt, alsdurch harmonische Kombination.
Bin also fleissig, zelo virtutis, ja fast überladen undübermengt mit Sachen, da noch auf der Hohen schul Geschichteder Philosophie höre bei Lautensack und Enzyklopädie derphilosophischen Wissenschaften sowie Logik bei dem berühmtenBermeter. - Vale. Iam satis est. Hiemit dem lieben Gottbefohlen, der euch und alle unschuldigen Herzen behüte.
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