nach meinem Dienstantritt in Naumburg von ihm erhielt, undden ich mit Empfindungen las, wie sie wohl eine Mutter beisolchen Mitteilungen eih.es Kindes bewegen mögen, - nur dassman freilich einer Mutter dergleichen schicklich vorenthält.Ich hatte ihm etwa drei Wochen zuvor, noch unkundig seinerAdresse, über das Hase'sehe Konservatorium zu Händen des HerrnWendeil Kretzschmar geschrieben, ihm von meinen neuen undrauhen Zuständen berichtet und ihn gebeten, doch auch mich,sei es noch so kurz, über sein Sichbehagen und -befinden inder grossen Stadt und über die Organisation seiner Studiengefälligst ein wenig ins Bild zu setzen. Seiner Antwortschicke ich nur noch voraus, dass ihre altertümliche Aus-drucksweise natürlich parodisch gemeint und Anspielung aufskurrile Hallenser Erfahrungen, das sprachliche GebahrenEhrenfried Kumpfs ist, - zugleich aber auch Persönlichkeits-ausdruck und Selbsrstilisierung, Kundgebung eigener innererForm und Neigung, die auf eine höchst kennzeichnende Weisedas Parodische verwendet, sich dahinter verbirgt und erfüllt.
Er schrieb;
"Leipzig, Freitags nach Purificationis 1905
In der Petersstrasse, das 27. HausEhrbar, hochgelahrter, lieber, günstiger Herr Magister undBallisticus!
Wir danken uns gar freundlich für euer Sorgen und Schrei-ben, und dass ihr mir von euren jetzigen schmucken, dummenund harten Bewandtnissen, eurem Springen, Striegeln, Putzenund Knallen anschauliche und hochkomische Zeitung thatet.
Hat uns alles innig gelächert, insonderheit der Unteroffizier,der, wie er euch auch hobelt und rülpt, so grosse Bewunderungfür euere hohe Erziehung und Bildung hat, und dem ihr in derCantine alle Versmasse nach Füssen und Moren habt aufzeich-nen müssen, weil ihn diese Kenntnis der Gipfel geistigerVeredelung dünkt. Will dir dafür, wenn ich auslange, mit
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