Myopie war ich zum Militärdienst für tauglich befunden wordenund gedachte, mein Dienstjahr jetzt einzuschalten; in Naumburgbeim 3. Feld-Artillerie-Regiment wollte ich es absolvieren.Adrian seinerseits der aus irgendwelchen Gründen, sei eswegen Schmalheit oder seiner habituellen Kopfschmerzen halber,auf unbestimmte Zeit von Dienst befreit war, hatte vor, eini-ge Wochen auf Hof Buchei zu verbringen, um, wie er sagte, dieFrage seines Berufswechsels mit seinen Eltern zu beraten.
Dabei gab er aber die Absicht zu erkennen, es ihnen so hin-zustellen, als handle es sich nur um einen Wechsel der Univer-sität - gewissermassen stellte er es vor sich selbst so hin.
Er wolle, ao würde er ihnen sagen, die Beschäftigung mit derMusik "mehr in den Vordergrund treten lassen" und daher dieStadt aufsuchen, in der der musikalische Mentor seiner Schü-lerzeit wirke. Nur dass er der Theologie absage, war dabeinicht ausgesprochen. Sich auch auf der Universität wiedereinzuschreiben und philosophische Vorlesungen zu hören, um indiesem Fach seinen Doktor zu machen, war in der Tat seineAbsicht.
Zum Winter-Semester-Beginn 1905 ging Leverkühn nach Leip-zig.
XVI
Dass unser Abschied kühl und gehalten in seinen Formenwar, erübrigt sich wohl zu sagen. Kaum kam es dabei zu einemins Auge blicken, einem Händedruck. Zu oft in unserem jungenLeben waren wir auseinander gegangen und wieder zusammengetroffen, als dass der Händedruck dabei zwischen uns hätte üblichsein sollen. Er verliess Halle einen Tag früher als ich, denAbend hatten wir zu zweien, ohne Winfried-Leute, in einem
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