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Doktor Faustus : das Leben des deutschen Tonsetzers Adrian Leverkühn, erzählt von einem Freunde
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lig genug ausnahm; aber offenbar kam es ihm aus erstauntem Her-zen.

Ich bin ja bei diesen Unterrichtsstunden niemals zugegen ge-wesen und weiss davon nur vom Hörensagen, kann mir aber leichtdas Verhalten meines Adrian dabei vorstellen, das für einenselbst noch knabenhaften Präzeptor, gewohnt, seinen Lehrstoffunter anspornendem Lobe und desperatem Tadel in lahm bemühtenund widerstrebenden Köpfen unterzubringen, zuweilen geradezuetwas Kränkendes gehabt haben muss. "Wenn du alles schonweisst", hörte ich den Jüngling gelegentlich sagen, "so kannich ja gehen." Natürlich war es nicht so, dass sein Zögling"alles schon wusste". Aber seine Gebärde hatte etwas davon,einfach weil hier ein Pall jener raschen, sonderbar souveränenund vorwegnehmenden, ebenso sicheren wie leichten Auffassungund Aneignung vorlag, die bald dem Lehrer das Lob verschlägt,weil er fühlt, dass ein solcher Kopf eine Gefahr für die Be-scheidenheit des Herzens bedeutet und es gar leicht zur Hof-fart verführt. Vom Alphabet bis zur Syntax und Grammatik, vonder Zahlenreihe und den vier Spezies bis zum Dreisatz und dereinfachen Proportionsrechnung, von dem Memorieren kleiner Ge-dichte (es gab da kein Memorieren; die Verse waren sofort mitgrosser Präzision erfasst und beherrscht) bis zur schriftlichenNiederlegung eigener Gedankenreihen über Themen aus der Erd-und Heimatkunde, - immer war es dasselbe: Adrian hielt einOhr hin, wandte sich ab und gab sich eine Miene, als wollteer sagen: "Ja, gut, soviel ist klar, genug, weiter!" Für daspädagogische Gemüt hat das etwas Revoltierendes. Gewiss warder junge Mann immer wieder versucht, auszurufen: "Was fälltdir ein! Gib dir Mühe!" Aber wie, wenn offensichtlich keineNötigung vorliegt, sich Mühe zu geben?

Wie gesagt, habe ich den Lektionen nie beigewohnt; aberich bin gezwungen, mir vorzustellen, dass mein Freund die wis-senschaftlichen Data, die Herr Michelsen ihm überlieferte,

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